„Sehe in Wolfhagen noch mehr Potenzial“

Interview: Chefarzt Dr. Kanaaneh über die Wolfhager Klinik

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Seit Jahresbeginn Chef der Chirurgie: Dr. Hatim Kanaaneh. Er hat sich ganz bewusst für ein kleineres Krankenhaus auf dem Land entschieden.

Wolfhagen. Für die Innere Abteilung der Wolfhager Klinik ist man seit einem guten halben Jahr auf der Suche nach einem Chefarzt.  20 Monate hatte man gesucht, ehe mit Dr. Hatim Kanaaneh (49) ein neuer Chefarzt für die Chirurgie gefunden wurde. Seit acht Monaten leitet er die Abteilung.

Herr Dr. Kanaaneh, Sie sind seit Anfang des Jahres Chefarzt der chirurgischen Abteilung in Wolfhagen. Haben Sie jemals Ihre Entscheidung für Wolfhagen bereut?

Dr. Hatim Kanaaneh: Nein, absolut nicht. Wenn man am Anfang in ein so kleines Haus kommt, hat man etwas Bedenken, ob es wirklich das Potenzial hat an Patienten und Arbeit. Aber die Bedenken haben sich schnell zerstreut. Die Menschen im Wolfhager Land fühlen sich verbunden mit ihrem Krankenhaus und gehen nicht einfach woanders hin.

Was hat Sie überzeugt, dass ein Wechsel nach Wolfhagen die richtige Entscheidung ist?

Kanaaneh: Ich war leitender Oberarzt in einem größeren Haus als die Wolfhager Klinik. Es bot sich die Möglichkeit, einen Schritt weiter zu gehen in meiner Karriere. Ein Chefarzt steht eben auf der obersten Sprosse der Leiter, die man als Mediziner erklimmen kann. Das ist natürlich für mich ein Ansporn gewesen. Für mich war es aber auch ein Ansporn, in einem kleinen Haus, in dem nicht so viel und nicht so große Viszeralchirurgie (Bauchchirurgie) betrieben wurde, die Abteilung weiter zu entwickeln.

Haben sich Ihre Erwartungen erfüllt?

Kanaaneh: Das kann man schon sagen. Wir bieten heute in dem kleinen Wolfhagen bis auf größere Resektionen der Leber und der Bauchspeicheldrüse sowie Zweihöhleneingriffe an der Speiseröhre die gesamte Viszeralchirurgie an, die auch ein Maximalversorger in der Viszeralchirurgie anbietet. Auch in der modernen Schlüsselloch-Chirurgie haben wir das volle Programm. Wir haben die Laparoskopie (Eingriffe mit Hilfe eines optischen Instruments) in all ihren Facetten, sei es am Darm, am Blinddarm, an der Gallenblase, bei der Eingeweide-Bruchbehandlung und bei der Zwerchfell-Bruchbehandlung und Fundoplikation (bei krankhaftem Sodbrennen) am Magen. Wir haben die Unfallchirurgie in einem breiten Spektrum, und auch da wird die minimal invasive Chirurgie angeboten. Die Breite des Angebots in einem Haus dieser Größe ist schon etwas Besonderes.

In der Bevölkerung gibt es nach der Schließung der Geburtshilfe und angesichts der anhaltenden Vakanz nach dem schnellen Abgang des Chefarztes der Inneren Abteilung Sorgen um die Existenz der Klinik.

Kanaaneh: Ich sehe, dass da eine gewisse Verunsicherung in der Bevölkerung ist. Aber wir lassen uns nichts einreden. Ich bin sicher, dass Wolfhagen nicht in seiner Existenz bedroht ist. Mitte September kommt meine Familie nach, wir ziehen nach Dörnberg. Wenn ich wüsste, dass die Existenz der Klinik fraglich wäre, würde ich sicher nicht meine Familie mit hineinziehen.

Glauben Sie, dass die jüngsten Diskussionen um die Wolfhager Klinik potenzielle Bewerber für den Chefarztposten der Inneren abschrecken könnten?

Kanaaneh: Jeder, der Interesse an der Stelle hat, wird sich vorher informieren. Er wird erfahren, was war. Wenn ein Bewerber ernsthaft interessiert ist an der Stelle und an sich und an seine zukünftige Aufgabe als Chefarzt glaubt, wird er wissen: Es gibt immer Probleme, und die sind zu lösen. Ein Bewerber, der von Anfang an zimperlich und ängstlich ist, der sollte kein Chefarzt werden. Und wer kommt, der wird sich überzeugen, dass es eine gute Arbeitsstelle ist. Gut Ding will Weile haben! Lieber länger suchen und dann den Richtigen finden, denn die Patienten sind derzeit auch internistisch sehr gut versorgt.

Sie haben sich bewusst für eine kleinere Klinik auf dem Land entschieden. Warum? 

Kanaaneh: Aufs Land gehen, hatte bei mir schon immer einen starken Reiz. Hier eine gute Abteilung zu übernehmen und aus dieser Abteilung noch mehr zu machen, darum geht es. Und ich sehe in Wolfhagen noch mehr Potenzial.

Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

Kanaaneh: Immer noch in Wolfhagen.

Von Norbert Müller

Quelle: HNA

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