Der Mann der Gegensätze

Dr. Christian Knoche (Die Linke) kandidiert für den Hessischen Landtag

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Ein Freund von Fachwerk: Vor zehn Jahren hat Dr. Christian Knoche ein heruntergekommenes Haus am Hofgeismarer Marktplatz gekauft und aufwändig saniert. Das Gebäude, in dem sich heute Knoches Kanzlei befindet, ist ein echtes Schmuckstück in direkter Nachbarschaft zum Rathaus.

Hofgeismar. Drei Wochen war Dr. Christian Knoche, Direktkandidat der Linken für die Landtagswahl im Wahlkreis Kassel-Land I, gerade in Namibia und Simbabwe. Wenn er von seiner Urlaubsreise erzählt, kommt er ins Schwärmen.

„Afrika ist faszinierend. Diese Landschaft und diese unglaublich freundlichen Menschen.“ Aber er hat auch das Elend gesehen. Ein Kontinent der Gegensätze.

Gegensätze begleiten Christian Knoche. Der Pastorensohn aus Hannover geht nach dem Abi zur Bundeswehr, absolviert den Grundwehrdienst und verweigert nachträglich den Kriegsdienst. Während seines Jurastudiums in Göttingen schließt er sich den Grünen an, später bricht er mit der Öko-Partei, als deren Bundestagsfraktion für den Kosovo-Einsatz der Bundeswehr stimmt. „Es gibt keinen gerechten Krieg“, sagt der heute 54-Jährige. „Konflikte lassen sich nicht mit Gewalt lösen.“ Deswegen ist er auch gegen den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan.

Knoche lässt sich nach Studium und Promotion und einem kurzen Intermezzo in Hessisch Lichtenau Ende der 80er-Jahre als Rechtsanwalt in Hofgeismar nieder, wird dort im Stadtparlament für die Grünen aktiv. Nach seinem Austritt bei den Grünen schließt er sich der WASG an, die mit der PDS zur Partei Die Linke fusioniert.

Er fühlt sich gut aufgehoben: „Sozialpolitik war immer mein Schwerpunkt.“ Die Sozialpolitik sei aber nicht das Alleinstellungsmerkmal der Linken. Wieder ist er beim Thema Friedenspolitik und auch bei der Umweltpolitik, „die die Grünen nicht gepachtet haben.“

Für die Linke sitzt er seit zwölf Jahren im Kreistag, seit 24 Jahren ist er Stadtverordneter. „Ich bin bemüht, authentisch zu bleiben“, sagt der erklärte Gegner des Flughafens Kassel-Calden. „Meine Eltern haben mir mitgegeben, nicht nur meine eigenen Probleme zu sehen“, sondern auch auf die sozial Schwächeren zu blicken. Deswegen sei es für ihn auch durchaus kein Widerspruch, selbst in einem gewissen Wohlstand zu leben und sich für die Linke zu engagieren.

Wie weit er auf Landesebene seinen Beitrag leisten kann? Der werde wohl eher gering sein. Als Direktkandidat würde er sich „über sieben bis acht Prozent freuen. Aber ich bin realistisch, es wird hier in Nordhessen wohl etwas weniger“. Die Linke im Westen habe „sehr nachgelassen“, er wäre glücklich, wenn seine Partei „in Wiesbaden wieder in den Landtag einziehen würde“.

Dass er wohl nicht dabei sein wird, sieht Knoche, der von sich behauptet, „kein so ernster und verbissener Mensch“ zu sein, gelassen. Denn, so bleibt ihm mehr Zeit für sein kommunalpolitisches Engagement, aber auch für seine Hobbys: die Besuche aller Heimspiele seiner Lieblingsmannschaft Hannover 96, das Theaterspielen in Hofgeismar, die Gartenarbeit und die Fernreisen. Das nächste Ziel soll wieder Afrika sein.

Von Norbert Müller

Quelle: HNA

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