Sie hilft bei Fragen zu Behördengängen und Förderungen

Christina Nickel leidet seit 16 Jahren an Multipler Sklerose

+
Sie liebt ihre Blumen und das Leben: Christina Nickel leidet seit 15 Jahren an Multipler Sklerose, lebt die meiste Zeit im Rollstuhl und kämpft trotz Krankheit für ein lebenswertes Leben. Foto: Thiery

Allmuthshausen. Hombergs Behinderten-Beauftragte unterstützt trotz schwerer Krankheit Menschen mit Behinderungen und hilft ihnen bei Fragen zu Behördengängen und Förderungen.

Christina Nickel will das schöne Frühjahr in ihrem Garten genießen. Dafür bedient die Allmuthshäuserin ein Knöpfchen, automatisch öffnet sich die Terrassentür und gibt den Weg zu den Tulpen und Narzissen frei. Dann setzt sie ihren Rollstuhl in Gang und manövriert sich mittels einer, eigens dafür konstruierten, Bedienung an der Armlehne über die Rampe hinaus auf die gepflegte Terrasse.

Die 51-Jährige leidet seit 16 Jahren an Multipler Sklerose und kann sich nur im Rollstuhl fortbewegen. Das Fachwerkgebäude wurde komplett auf ihre Bedürfnisse umgestellt, damit sie, soweit es geht, selbstständig sein kann, wenn ihr Mann Erwin an der Arbeit ist.

„Wenn es besonders schlimm war, dachte ich: Entweder wirst du verrückt oder ruhig. Zum Glück bin ich ruhig geworden.“

Dass sie ihren Garten nur noch genießen, aber nicht mehr selbst pflegen kann, ahnte sie nicht als sie vor 16 Jahren bemerkte, dass ihre Beine plötzlich nicht mehr so mitmachten, wie sie sagt. Eines versackte immer wieder, zudem sah sie plötzlich schlechter.

Die damals 35-Jährige hatte nach der Erziehungszeit ihrer zwei Kinder gerade mit dem Studium der Sozialpädagogik an der Kasseler Universität begonnen. Acht Mal war sie im ersten Jahr im Krankenhaus gewesen und schon bald stand fest, dass sie nicht mehr laufen kann. Ein Schub folgte auf den anderen. „Das war eine sehr schwierige Zeit“, sagt sie. „Wenn es besonders schlimm war, dachte ich: Entweder wirst du verrückt oder ruhig. Zum Glück bin ich ruhig geworden.“ So wirkt sie auch, und dazu trotz der Beschwerden tatkräftig. Die Augen blitzen neugierig hinter der Brille hervor.

Irgendwie habe sie trotz aller Schwierigkeiten ihr Leben gemeistert, sogar das Studium beendet und ihre Praktika absolviert, unter anderem in der Elternschule in Homberg. „Das Studium hat mir Kraft gegeben und mein Leben gerettet“, sagt sie.

Eine weitere Hilfe sei ihr christlicher Glaube, der führe sie auch durch schlechte Tage. Irgendwo gebe es immer einen Weg, meint sie.

Unterstützung hat sie durch die Familie, beide Töchter wohnen im Ort, ihr Mann steht zu ihr und auch im Dorf gebe es viele Menschen, die ihr helfen, wenn es nötig ist.

Engagement trotz Krankheit 

Trotz Krankheit versuchte sie sich zu engagieren, war 18 Jahre im Kirchenvorstand des Ortes, und ist noch immer im Diakonieausschuss der Kreissynode tätig. So kann sie auch Vorbild sein für eine ihre weiteren Aufgaben.

Nickel ist Behinderten-Beauftragte der Stadt Homberg, einmal im Monat hält sie eine Sprechstunde im Rathaus ab.

Es gebe ihr Kraft für andere da zu sein, meint sie, auch wenn sie dafür mit einem großen Aufwand nach Homberg ins Büro gebracht werden muss.

Außerhalb des Hauses kann sie sich allein nur bis in den Garten bewegen, alles andere geht nicht ohne Hilfe. Ansonsten ist sie mittlerweile berentet. Und das sei auch gut so. „Es entspannt mich, dass ich nun keinen Job mehr suchen muss“, sagt sie.

So freut sie sich, schöne Dinge des Lebens genießen zu können, etwa den jährliche Besuch der Schulfreundinnen zu Ostern oder der Treff mit ehemaligen Studienkolleginnen. Die kommen alle zu ihr nach Hause in den schönen Garten.

Seit 2010 Behinderten-Bauftragte

Christina Nickel ist seit 2010 Behinderten-Beauftragte der Stadt Homberg und berät einmal im Monat Behinderte in einer Sprechstunde in Fragen zu Behördengängen und Förderungen. Nun will sie gemeinsam mit dem Seniorenbeirat helfen, die Nachbarschaftshilfe neu zu organisieren. Dazu wird es ein Treffen am Dienstag, 13. Mai, ab 17 Uhr in der Alten Sparkasse in Homberg geben. Der Termin wurde um zwei Wochen verschoben.„Wir wollen aktiv werden und Menschen ansprechen, die helfen und Dienste für Hilfebedürftige übernehmen.“ Unterstützt wird das Projekt von Markus Kink vom Landkreis. Die nächste Sprechstunde der Behinderten-Beauftragten ist Donnerstag, 8. Mai, von 16 bis 18 Uhr. (tyx)

Von Christine Thiery

Quelle: HNA

Kommentare