Christoph 7: Förderverein steht vor der Auflösung

Finanzielle Hilfe vom Förderverein der Luftrettungsstation Christoph 7: Im Jahr 2011 erhielten Notärzte und Rettungsassistenten, die auf dem Rettungshubschrauber fliegen, neue Einsatzkleidung. Der Verein beteiligte sich zu einem Großteil an den Kosten. Archivfoto: Privat/nh

Wolfhager Land. Zwischen den drei Organisationen, die den für Nordhessen und Südniedersachsen zuständigen Rettungshubschrauber Christoph 7 besetzen, und ihrem Förderverein gibt es Krach.

Der DRK-Kreisverband Kassel-Wolfhagen, das Rote Kreuz Krankenhaus in Kassel und die Fliegerstaffel der Bundespolizei in Fuldatal, die keine Vereinsmitglieder sind, haben die Zusammenarbeit mit dem Verein aufgekündigt. Weder wollen sie sein Geld, noch anderweitige Unterstützung. Das teilten sie Vereinschef Dr. Peter Stahl schriftlich mit.

Die Gründe für das Zerwürfnis liegen nach Meinung Stahls bei den drei Organisationen. Diese werfen dem Verein vor, er erwecke auf seiner Internet-Domain den Eindruck, der Verein sei für die Luftrettung zuständig. „Wir hatten dort sowohl die Arbeit der Luftrettung vorgestellt, als auch die unseres Vereins“, sagt der Facharzt für Anästhesie. Inzwischen habe der Verein davon Abstand genommen, im Internet über die Einsätze von Christoph 7 zu berichten. Auch hierzu war er von den Trägern der Luftrettung aufgefordert worden. Die Homepage des Vereins www.christoph7-kassel.de ist mittlerweile stillgelegt.

DRK-Kreisverband Kassel-Wolfhagen, das Rote Kreuz Krankenhaus und die Bundespolizei teilten Stahl in einem Brief mit, die finanzielle und ideelle Hilfe nicht mehr zu benötigen. „Damit ist unsere Arbeit in Frage gestellt.“ Die Mitglieder würden Mitte Dezember bei der Jahreshauptversammlung über den Fortbestand des Vereins zu entscheiden haben, sagt der Mediziner. „Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass sich der Verein auflöst.“

Bislang ist es seine Aufgabe, die Arbeit der Luftretter in die Öffentlichkeit zu tragen und diese finanziell zu unterstützen. Käme es tatsächlich zum Bruch, würde die Luftrettung auf etwa 20.000 Euro verzichten, die von den 1000 Mitgliedern des Fördervereins in ganz Nordhessen über Beiträge und Spenden jährlich bereitgestellt werden. Allein in der Zeit von 2007 bis 2012 habe der Förderverein 85.000 Euro in Öffentlichkeitsarbeit, Ausrüstung, Aus- und Fortbildung investiert.

„Absolut untragbar“ 

Werner Bähr, Vorsitzender des Kurhessisch-Waldeckischen Feuerwehrverbandes, bezeichnet das Verhalten der Luftrettungsorganisationen als absolut untragbar. „Es ist mir unbegreiflich, wie man sich so gegen den Verein stellen kann.“ Der Förderverein habe ehrenamtlich nordhessenweit Übungen organisiert, bei denen das Zusammenspiel von Bodenrettungsdiensten, Feuerwehren und Christoph 7-Besatzung geprobt wurde. Bei mehr als 20 Veranstaltungen pro Jahr habe er die Arbeit der Luftretter in die Bevölkerung getragen.

Das sehen die drei Organisationen anders. In ihrem Brief heißt es, die Arbeit sei entbehrlich. Kritik äußern sie an der Mittelvergabe. Angeblich komme nur ein geringer Teil des Geldes der Luftrettung zugute, der größte Batzen bleibe beim Verein. DRK-Geschäftsführer Holger Gerhold-Toepsch und Krankenhaus-Geschäftsführer Michael Gribner beklagen die schlechte Zusammenarbeit mit dem Verein.

Das sagen die Organisationen der Luftrettung

Die Bereitschaft der drei Institutionen, die den Christoph 7 mit Piloten (Fliegerstaffel der Bundespolizei in Fuldatal), Notärzten (Rote Kreuz Krankenhaus Kassel) und Rettungsassistenten (DRK-Kreisverband Kassel-Wolfhagen) besetzen, sich zum Streit mit dem Förderverein zu äußern, ist gering.

Holger Gerhold-Toepsch, Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes, sagte lediglich, dass es Unstimmigkeiten darüber gebe, was der Verein fördern kann und was nicht. „Stiefel jedenfalls benötigen wir keine.“ Denkbar sei eine flankierende Hilfe bei Fort- und Weiterbildungen. Er machte aber auch keinen Hehl daraus, dass die Gründung des Fördervereins der Luftrettung „Christoph 7“ in Kassel niemals Wunsch des DRK gewesen sei.

Dass die Mitglieder nun über den Fortbestand ihres Vereins zu befinden hätten, sei eine rein „vereinsinterne Angelegenheit“, sagte Michael Gribner, Geschäftsführer des Rote Kreuz Krankenhauses in Kassel. Allerdings räumte er ein, dass der Christoph 7 für die Region eine Erfolgsgeschichte sei. Er hält es für sinnvoll, dass sich der Förderverein und alle am Luftrettungszentrum Beteiligten zusammensetzen, um gemeinsam über das Budget des Vereins zu unterhalten.

Die Bundespolizei wollte sich zu den Unstimmigkeiten gegenüber der HNA nicht äußern.

Von Antje Thon

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Quelle: HNA

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