Chronische Erkrankung

Multiple Sklerose wird meist in jungen Jahren diagnostiziert

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Reha-Aufenthalt: Dr. Christoph Berwanger (links), Ärztlicher Direktor der Hardtwaldklinik I, mit Frank-Peter Bernhardt, der seit 1996 an Multipler Sklerose leidet. Foto: De Filippo

Bad Zwesten. Mit 30 hat man oft große Pläne: Haus bauen, verreisen, Karriere machen. Manchmal vernichtet eine ärztliche Diagnose Lebensentwürfe. So wie bei Frank-Peter Bernhardt.

Mit 31 erkrankte er an Multipler Sklerose. Heute ist er 49 und hat gelernt, mit der chronischen Krankheit umzugehen.

„Es begann mit einem unangenehmen Gefühl im Bereich der Fußzehen“, erinnert sich Bernhardt, der in der Nähe von Gießen lebt und mehrfach zur Reha in der Bad Zwestener Hardtwaldklinik I war. Zunächst habe er einen Orthopäden aufgesucht, der ihn recht schnell an einen Neurologen überwies. Nach einigen Tests stand die Diagnose fest: Multiple Sklerose.

Ein solcher Krankheitsverlauf sei typisch, erklärt Dr. Christoph Berwanger, Ärztlicher Direktor der Hardtwaldklinik I. „Üblicherweise treten die ersten Symptome im dritten Lebensjahrzehnt auf.“ Betroffen sind meist junge Menschen mitten im Leben.

Doch was ist Multiple Sklerose? „Es handelt sich um eine chronisch entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems“, sagt Berwanger. Man vermute, dass körpereigene Immunzellen der Auslöser seien: Sie greifen die Ummantelung der Nervenzellen an und schädigen Nerven in Gehirn und Rückenmark.

Als erste Anzeichen nehmen Betroffene laut Berwanger oft ein Kribbeln in Füßen oder Händen wahr. „Auch Sehstörungen und Erschöpfungszustände kommen relativ häufig vor.“ Im weiteren Verlauf können Lähmungserscheinungen, Gleichgewichtsstörungen, sexuelle Funktionsstörungen sowie Beeinträchtigungen der Blasen- und Mastdarmfunktion auftreten. „Und das schränkt die Patienten im Alltag stark ein.“

Die Krankheit verlaufe anfangs meist schubförmig, erklärt der Neurologe. Das heißt, Symptome treten plötzlich und zeitlich begrenzt auf. Durch medikamentöse Behandlung mit Kortison klingen die Beschwerden meist rasch wieder ab. „Doch Restschädigungen bleiben“, sagt Berwanger.

Frank-Peter Bernhardt ist inzwischen auf den Rollstuhl angewiesen. Seine berufliche Tätigkeit im Qualitätsmanagement übt er weiter in Vollzeit aus, und im Alltag versucht er, möglichst viel allein zu schaffen. Die Reha-Aufenthalte in Bad Zwesten seien sehr wichtig für ihn. Nicht nur körperlich, sondern auch für die Psyche: „Das ist wie eine Oase, in der ich Kraft schöpfen kann.“

Von Pamela De Filippo

Quelle: HNA

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