Der Mai: zu nass, zu kalt, zu trüb

Er hilft seit 35 Jahren ehrenamtlich dem Deutschen Wetterdienst

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Kennt das Wetter: Heinrich Kuhn betreut für den Deutschen Wetterdienst die Messstation in Hauptschwenda. Die ist inzwischen nicht mehr größer als ein Schirmständer und hat für den Mai dreimal mehr Regen gemessen als sonst in diesem Monat üblich.

Hauptschwenda. „So eine Menge Regen wie am vergangenen Wochenende habe ich noch nie erlebt“, sagte Heinrich Kuhn. Und der Landwirt aus dem Neukirchener Stadtteil Hauptschwenda weiß, wovon er spricht. Der 65-Jährige kennt jede Wetterlage im Knüll.

Seit 35 Jahren ist er ehrenamtlicher Wetterfachmann und betreut die Messstation des Deutschen Wetterdienstes in Hauptschwenda.

Sehr nass, leicht zu kalt und viel zu trüb - diesen Eindruck Kuhns bestätigt der Deutsche Wetterdienst - auch wenn das kein Einzelfall ist. Bereits jetzt sei in Hauptschwenda drei Mal mehr Regen gefallen als sonst im Mai üblich, erklärt Meteorologe Lars Kirchhübel. Auch wurden nur 50 Prozent der üblichen Sonnenstunden gemessen. Und der Wert könnte sich nach Einschätzungen des Offenbacher Meteorologen noch steigern. Denn Wettermodelle sagen bis Freitag und Samstag weiteren Dauerregen voraus. Dann könnte die Station in Hauptschwenda erneut bis zu 50 Liter Regen pro Quadratmeter an die hessisches Zentrale des Deutschen Wetterdienstes nach Offenbach melden.

Für das Örtchen Hauptschwenda hat Kuhn inzwischen eine besondere Chronik geschrieben. Über Jahrzehnte trat er täglich dreimal den Gang zur Wetterstation im Garten an. Auch sonn- und feiertags. Konstant übermittelte er Messungen über Temperatur, Niederschlagsmenge, Luftfeuchtigkeit, Windstärke und Fernsicht. Inzwischen liefern die Messgeräte im Kuhnschen Garten ihre Daten digital nach Offenbach, fließen ein in Klimabeobachtungen, Wetteranalysen und -vorhersagen, geben aber auch Behörden und Versicherungen Auskünfte zu den Wetterlagen bei Schadensfällen.

War die Klimastation vor zehn Jahren noch ein kleiner Schrank in der Größe eines Kaninchenstalles, so gleicht die digitale Messstation inzwischen einem Schirmständer aus Edelstahl. Mit der direkten Internetverbindung hat sich für Kuhn der Aufwand bei der Wetterbeobachtung reduziert. Im Winter misst er noch die Konsistenz und Höhe des Schnees, ansonsten kommte er nur noch bei Fehlermeldungen der vollautmatischen Anlage zum Einsatz und stellt das Grundstück und den Strom.

Wetterprognosen und Klimaveränderungen? Darüber möchte der Landwirt aus dem Knüll nicht sprechen. „Da sind sich ja noch nicht mal die Wissenschaftler einig“. Klar, sagt er, dieser Winter war besonders lang, dunkel und trüb, aber immerhin nicht so kalt wie der vorherige. Und regnen tut es andernorts auch häufig und viel.

Von Sylke Grede

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Quelle: HNA

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