Langjähriger Chefarzt des Krankenhauses Ziegenhain ist tot

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Starb im Alter von 77 Jahren: Dr. Claus Friedel.

Schwalmstadt - Mit Dr. Claus Friedel verabschiedet sich die Schwalm von einem Arzt, den sehr viele im weiten Umkreis als Patienten oder deren Angehörige kannten. „Das Krankenhaus war sein Leben“, sagt Sohn Michael. Auch in seinen Ruhestandsjahren seit 1999 ließ ihn die Berufung nicht los.

Noch bis Ende März dieses Jahres arbeitete er als Vertragsarzt für die Bundeswehr, und auch sein geliebtes Tennis spielte er bis zu diesem Zeitpunkt, als die Leukämie ihn zu stark schwächte. Am Samstag endete sein Kampf gegen die tragischerweise inoperable Krankheit nach schwerer Leidenszeit.

1971 kam der Schwabe mit Mitte dreißig ans Kreiskrankenhaus Ziegenhain, als chirurgischer Chefarzt. Der Sohn zweier selbstständig praktizierender Stuttgarter Ärzte hatte in Tübingen Medizin studiert und die ersten Berufsjahre in Stuttgart, Cannstatt, Wien und Heidelberg verbracht. „In Ziegenhain und der Schwalm war er tief verwurzelt, im Herzen blieb er ein Schwabe“, sagt Sohn Michael, wiederum Arzt. Nach anfänglichen Schwierigkeiten fühlte sich die junge Familie hier wohl, sagte Claus Friedel fast drei Jahrzehnte später bei seiner Verabschiedung. Kollegen hätten ihn mit den Eigenarten der Schwalm und ihrer Bewohner vertraut gemacht.

70 Betten, mäßige Belegungszahlen, einen Assistenzarzt, der sofort in Jahresurlaub ging, und einen Medizinalassistenten fand Friedel vor. „Die Abteilung war ziemlich ausgeblutet“, scherzte er in der Abschiedsrede (siehe auch Artikel rechts).

Als einziger Facharzt der Abteilung war Friedel in der Aufbauphase in ständiger Bereitschaft, 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. „Tagsüber hat er operiert, abends Visite gemacht, nachts ist er auf dem Notarztwagen mitgefahren, erinnert sich der Sohn. Dabei habe er nebenher noch etliche Ehrenämter ausgefüllt, bei den Rotariern, im Tuspo Ziegenhain, im Ärzteverein, im Krankenhaus-Förderverein und so fort. Auch hier übernahm er bereitwillig Gründungs- und Führungsaufgaben. Auch beruflich war und blieb er immer offen für Neuerungen. Zum Schluss seiner Laufbahn am Klinikum setzte er jährlich 300 künstliche Kniegelenke ein, aber auch in Bauch- und Unfallchirurgie und in der Operation von Schilddrüsen war ein gefragter Experte. Er führte in der Klinik zahlreiche Modernisierungen ein, die später überall Standard wurden. 1972 installierte er das erste auf dem Land funktionierende Notarztsystem. Rund 30 Jahre prägte er so die Chirurgische Abteilung in Ziegenhain. Seit 1985 bekleidete Friedel außerdem das Amt des Ärztlichen Direktors und er besaß den Ehrenbrief des Landes Hessen sowie weitere Auszeichnungen.

Gepflegt wurde Dr. Friedel bis zum Schluss von seiner Ehefrau Hildegard im angestammten Wohnhaus direkt am Krankenhausberg. Er starb zu Hause im Kreis der Familie. Friedel hinterlässt seine Söhne Michael und Sebastian sowie vier Enkelsöhne. (aqu)

• Trauerfeier am Freitag, 20. Juli, katholische Kirche Ziegenhain, anschließend Urnenbeisetzung

Quelle: HNA

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