Gründung 1964: Landfrauen-Verein Moischeid feiert Mitte Mai 50. Geburtstag

Cocktails in Düsseldorf

Sie treffen sich seit 1964 regelmäßig im Hochland: Die Mitglieder des Landfrauen-Vereins Moischeid feiern am 17. und 18. Mai ihr 50-jähriges Bestehen. Foto: Privat/nh

Moischeid. 1964 gab es in Moischeid die Feuerwehr und den Sportverein. Für die Männer. Die Frauen blieben zuhause: Das änderte Yvonne vom Hofe. Sie ging von Haus zu Haus, warb für den Landfrauen-Verein und sammelte 20 Unterschriften. 18 Frauen kamen zum ersten Treffen im März, am Jahresende waren es 42. Mitte Mai feiern die Landfrauen in Moischeid 50. Geburtstag.

„Wegen ähnlicher Frauengruppen aus der Nazizeit hatte man dem Verein keine lange Lebensdauer eingeräumt“, erklärt Brigitte Pomorin, Vorsitzende seit 1991. Bis dahin hatte Irmgard Knoch den Verein als Vorsitzende gelenkt. „Das erste Treffen war in Knochs Küche. Da gab es einen Kochkurs zum Thema Eierspeisen“, erzählt Luise Jungheim, eine der Gründungsmitglieder. Auch Karin Dörfler und Marlies Lomp waren damals dabei. Anfangs erhielt jede Frau eine Mitgliedskarte, 50 Pfennig im Monat kostete der Beitrag. Von 42 Frauen waren 14 in der Landwirtschaft tätig, neun im Nebenerwerb, 19 Frauen waren Gartenbesitzer und drei berufstätig.

Noch im Gründungsjahr rief vom Hofe den Landfrauen-Chor ins Leben. Den gibt es bis heute. Luise Jungheim erinnert sich gern. Und sagt: „Zusammen haben wir schon alles durch.“ Damit meint sie nicht nur die Backaktionen, das Kochen von Forelle blau mit Gerhard Rühl oder die Zubereitung eines Karpfens, „wo wir genüsslich die Bäckchen gegessen haben“.

Volkstanz und Gymnastik

Die Damen beschäftigten sich vielfältig: Sie lernten Volkstänze, trafen sich zur Gymnastik, spielten Theater, bastelten, handarbeiteten und fuhren nach Berlin und den Bodensee. Und zur Krebsvorsorge. „Das war damals sehr fortschrittlich“, sagt Pomorin.

Die Landfrauen etablierten sich in vielen Gruppen des Dorfes. Im Ortsbeirat, dem Kirchenvorstand, in der Dorfverschönerung. 1980 steuerten Moischeider Frauen viele Rezepte zum „Schwälmer Kochbuch“ bei. Häufig fuhren sie zum Nikolausmarkt des Hessischen Rundfunks in Kassel, verkauften dort Wurst, Marmelade, Gestricktes. Gespendet wurde für die Aktion Advent. Marlies Lomp sagt: „Wir waren aber auch in Düsseldorf in der Disko. Da haben wir den ersten Cocktail getrunken.“ In Moischeid bewirtschafteten die Frauen den alten Schulgarten und luden dank der guten Ernte 1996 zum ersten Kartoffelfest ein. Der Ansturm war riesig, seitdem gehört das Fest jedes Jahr einfach dazu.

Mit dem Landfrauenverein Vaihingen sind die Frauen aus dem Hochland seit zehn Jahren befreundet. Heute hat der Verein 70 Mitglieder, auch jüngere Frauen Anfang 20 sind dabei. „Der Verein ist nach wie vor eine echte Bereicherung“, sagen Elisabeth Müller und Elke Arendt.

Und die Frauen wissen sich zu helfen: Zur Besichtigung eines Fischbetriebes in Sachsenhausen fuhren die Frauen kurzerhand mit dem Schlepper. Am Steuer war Edeltraud Stehling. Erst auf der Fahrt wurde klar, dass die Moischeiderin nur vorwärts fahren konnte. „Deshalb haben wir auf der Rückfahrt eine ganze Runde durchs Hochland gedreht“, erzählt Brigitte Pomorin.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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