Telefoninterview mit dem Tod

Comedian tritt in Gudensberg auf: "Der Tod" ist ein netter Typ

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Für sein Soloprogramm "Mein Leben als Tod" ist der Comedian "Der Tod" mehrfach ausgezeichnet worden.

Gudensberg. „Wir können uns duzen, irgendwann sehen wir uns ja eh wieder", sagt „Der Tod" im Telefon-Interview. Da hat er Recht. Irgendwann trifft es jeden. Mit seinen Zuschauern macht der Comedian deswegen auch ein Anti-Angsttraining.

Genau darauf möchte Comedian aufmerksam machen, auf eine humorvolle Weise. Über seine Person weiß man nichts, bei Auftritten versteckt er sein Gesicht immer unter einer schwarzen Kutte.

Der für sein Soloprogramm „Mein Leben als Tod“ mehrfach ausgezeichnete Comedian kommt am Samstag, 5. November, nach Gudensberg im Bürger- haus auf die Bühne. Wir sprachen mit ihm am Telefon.

Für Oktober sind deine Auftritte in Erfurt, Leipzig und Köln bereits ausverkauft. Was fasziniert die Menschen am Tod?

Der Tod: Ich glaube, der Tod ist etwas, womit sich jeder beschäftigen muss. Beim Tod ist es nicht so, dass einer sagen kann, das interessiert mich nicht. Zwangsläufig wird man für die letzte große Reise verpflichtet, und da ist es natürlich, dass man da ein wenig Vorsorge betreiben muss.

Oft ist der Tod noch ein Tabuthema. Wie reagieren die Menschen auf deinen schwarzen Humor? 

Der Tod: Wer zu einem Tod-Programm kommt, der ahnt schon, dass es da um den Tod geht. Von daher wissen die Leute schon, was sie erwartet. Die kommen ja auch freiwillig zu mir.

Wie kamst du auf die Idee als Tod aufzutreten? 

Der Tod: Mein Ruf ist nicht der beste. Viele Millionen Jahre Marketing wurden vernachlässigt. Wir dachten: das müssen wir ändern. Seitdem gehe ich auf die Bühne und erzähle über mein Leben, damit jeder sieht, ich bin auch nur ein Tod wie du und ich - also ein ganz netter Typ.

Wie lebt es sich als Tod? 

Der Tod: Natürlich macht immer noch keiner Freudensprünge, wenn ich vor der Tür stehe. Aber einer muss es ja machen. Auf der Bühne mache ich deswegen ein Anti-Angsttraining mit den Leuten. Meistens entsteht Angst bei Dingen, die man nicht kennt.

Deswegen ist es gut. auf der Bühne zu erklären: Hey, es ist gar nicht so schlimm. 

Wie waren die Reaktionen auf deine Comedy-Shows in der Bestattungs- und Friedhofsszene? 

Der Tod: Die freuen sich natürlich, dass es jemanden wie mich gibt, der dieses Thema auf eine humorvolle Weise aufgreift. Sie dürfen es nicht aus Gründen der Pietät. In ihrem Job ist Ernsthaftigkeit angebracht.

Welcher Auftritt war einprägsam für dich? 

Der Tod: Ich trete in Hospizstationen vor mehreren Sterbenden auf. Da sind meist viele Menschen im Publikum, die das nächste Jahr nicht mehr erleben. Da dachte ich auch zuerst, das ist zu makaber. Aber sie haben meine Witze gefeiert.

Wie kommt das? 

Der Tod: Meistens wollen sterbende Menschen ihre letzten Tage fröhlich und lustig verbringen. Aber keiner der Familien kann es, weil alle natürlich traurig sind. Deswegen bringe ich sie zum Lachen. Es ist paradox, dass erst der Tod kommen muss, um für gute Stimmung zu sorgen.

Wieso versteckst du dich unter deiner Kutte? 

Der Tod: Ich muss als Tod das Mysterium wahren. Ich möchte auch nicht - wie viele andere - mein Gesicht in die Kamera halten. Es geht auch so.

Ist das im Sommer nicht unpraktisch? 

Der Tod: Nein, dann ziehe ich mir ein T-Shirt über.

Termin: „Der Tod: Happy Endstation - ein Last-Minute-Reiseführer“, Samstag, 5. November, 20 Uhr, Bürgerhaus Gudensberg. Ticketpreis: Vorverkauf 22 Euro, Abendkasse 24 Euro. Kartenvorverkauf: HNA-Kartenservice, Tel. 0561/203204. Bürgerbüro

Gudensberg, Tel. 05603/9330.

Hintergrund 

Der Tod und seine Image-Kampagne

Trotz humorvoller Herangehensweise ist es dem Tod wichtig, dass sich die Menschen mit ihm auseinandersetzen - und er sich mit den Menschen. Denn es gehöre zu seiner Image-Kampagne, dass die Menschen glücklicher und zufriedener werden. Daher engagiert er sich für verschiedene Projekte, die sich Menschen kümmern.

„Der Tod“ sammelt bei seinen Auftritten Spenden in einem Schädel. Das Geld kommt verschiedenen Einrichtungen oder Aktionen zugute, die alle auf eine unterschiedliche Weise mit dem Tod zu tun haben. Im September beispielsweise gingen die Spenden an das Kinderhospiz Sonnenhof in Berlin.

Quelle: HNA

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