Heinfried Haas hält seine Herde draußen

Der Cowboy von Hülsa: Kuhhirte aus Leidenschaft

Wechsel: Jörg Wagner (links) wird die Herde im nächsten Jahr von Heinfried Haas übernehmen.

Hülsa. Früher gehörte zu jedem Haus in Hülsa auch ein Stall, sagt Heinfried Haas. Doch diese Zeiten sind längst vorbei – nicht nur in Hülsa.

In vielen Dörfern des Landkreises gibt es immer weniger Bauern. Heinfried Haas ist der letzte Kuhhirte von Hülsa und er denkt ans Aufhören. Haas hat 25 Mutterkühe, die das ganze Jahr über auf der Weide sind.

„Das hat mir schon viel Scherereien eingebracht“, sagt er. Denn jeden Winter aufs Neue beschweren sich Spaziergänger beim Veterinäramt oder der Polizei darüber, dass die Tiere bei Wind und Wetter draußen sind. „Während die meisten Menschen bei Minusgraden frieren und froh sind, wenn sie nicht vor die Tür müssen, macht die Kälte meiner Herde nichts aus“, sagt Haas. „Rinder haben überhaupt kein Problem mit Eiseskälte. Bei ihnen liegt die Wohlfühltemperatur bei minus 15 Grad Celsius.“

Das sei auch einer der Gründe, warum sich Rinder, sollten sie gesundheitlich keine Einschränkungen haben, ohne Probleme im Winter draußen aufhalten können. Das hätten auch die Experten des Veterinäramtes so gesehen. „Den Tieren geht es gut“, sagt Haas.

Übel nimmt er die Anzeigen nicht: „Viele kennen sich einfach nicht aus und können es deshalb auch nicht verstehen.“ Eigentlich freue es ihn, wenn Familien entlang der Weide spazieren gehen, um ihren Kindern die mächtigen Rinder zu zeigen. „Solche Tiere bekommt man auch in unserer Region nicht mehr so oft zu sehen.“ Seine Tiere seien eine Mischung aus Deutschen Angus, Charolais-Rindern und Blonde d’ Aquitaine eine Rinderrasse, die ihren Ursprung im Südwesten Frankreichs hat.

Ein Kindheitstraum

Seine Herde ist für den 70-Jährigen bereits seit 1997 weit mehr als ein Hobby und auch so etwas wie die Verwirklichung eines Kindheitstraums. „Ich bin ein verkappter Cowboy“, sagt er, deutet auf seinen Hut und lächelt. „Das klingt vielleicht romantisch, ist aber mit viel Arbeit verbunden“, fügt er an. Denn auch Tiere, die auf der Weide stehen, müssen versorgt werden. „Wären sie nur im Stall, hätte ich es leichter, doch würde es der Herde nicht so gut gehen“, betont er und erzählt dann von seinen Zuchterfolgen. „Im vergangenen Jahr haben die 22 Kühe 21 Kälber geboren, das ist richtig gut. Die Verlust-rate von 20 Prozent ist eigentlich der Durchschnitt, doch davon sind wir immer weit entfernt.“

Und er zählt von der großen Nachfrage der Metzger nach seinen Kälbern, von seiner mit 13 Jahren ältesten Kuh, von den strammen Zuchtbullen und davon, dass die Tiere für ihn mehr als nur Fleischkörper seien. „Sie sind auch Wegbegleiter, auch wenn das jetzt kitschig klingt“, sagt Haas, der hauptberuflich viele Jahre im Außendienst und als Hundetrainer gearbeitet hat.

Wenn sich Heinfried Haas Ende des Jahres aus gesundheitlichen Gründen von der Zucht zurückzieht, ist das nicht das Ende der Herde. Sein Schwiegersohn Jörg Wagner wird weitermachen. „Weil es faszinierende Tiere sind“, sagt er. Nur einen Cowboyhut, den trägt er nicht.

Von Maja Yüce

Quelle: HNA

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