Auf dem Dach bröselt’s

Auf dem Dach bröselt’s: Spangenberger Stadtkirche wird renoviert

Fachwerkgerüst unterm Dach: Das Dach der Spangenberger Stadtkirche ist eine Besonderheit, weil die Handwerker zu Beginn des 14. Jahrhunderts ein Fachwerk als Gerüst über dem Gewölbe aufgerichtet haben. Das erleichterte ihnen den Dachbau. Fotos: Feser

Spangenberg. Ein schneereicher Winter könnte zur Gefahr für die Spangenberger Stadtkirche werden. Denn auf dem Dach bröselt’s: Die Nocken, die Halteauswuchtungen der Ziegeln, sind porös und bröckeln ab. Auch sonst ist in der Stadtkirche erheblicher Sanierungsbedarf.

Aber im April 2013 soll’s mit den Bauarbeiten endlich losgehen, kündigt Pfarrer Dr. Volker Mantey an. Die Sanierung des Daches über Kirchenschiff und Chorraum bildet den ersten und zweiten Bauabschnitt.

Dendrochronologische Untersuchungen haben ergeben, dass das Holz für den Dachstuhl geschlagen wurde, als der Landgraf noch über Spangenberg herrschte. Die Fachleute haben die Holzproben dem Jahr 1352 zugeordnet – anhand der Jahresringe.

Die Stadtkirche hat das älteste aufgeständerte Dachwerk in Hessen. Und der Clou: die Kombination von norddeutschen Zimmermannstraditionen mit hessischem Handwerk. Denn am Bau waren Zimmerleute auf Wanderschaft dabei, die niederdeutsche und schwäbische Techniken beherrschten. Um das Dach zu errichten, bauten sie das Holzgerüst eines Fachwerkhauses auf die Kuppel des Kirchenraums. Sie errichteten also praktisch das Haus von oben nach unten und nicht umgedreht.

Gleichwohl ist das Dach mittlerweile marode: Statische Untersuchungen haben ergeben, dass sich der Dachfirst bei einem Sturm drei bis vier Zentimeter bewegt. Die neuen Ziegeln sollen rot sein. Im dritten Bauabschnitt soll der Turm saniert werden. Eine Notsicherung sorgt derzeit dafür, dass der Turm beim Sturm nicht abbricht.

Kacheln unterm Teppich: Die gesamte Kirche ist mit Teppich ausgelegt, unter dem Steinplatten liegen. Pfarrer Dr. Volker Mantey zeigt im Chorraum die Kacheln unterm Teppich.

Im nächsten Bauabschnitt ist der Innenraum an der Reihe. Dort soll der Teppich, der den gesamten Fußboden bedeckt, verschwinden. „Jetzt ist hier praktisch eine Wohnzimmerverlegung“, sagt Pfarrer Dr. Volker Mantey. Unter dem grauen Teppich liegen Steinplatten, im Chorraum sogar schwarz-beige Kacheln. Mantey rechnet damit, dass künftig nur noch Läufer auf den Gängen liegen werden.

Mantey geht davon aus, dass es dann auch weniger Sitzplätze in der Stadtkirche geben wird. Derzeit bietet sie 440 Menschen Platz. Auch die Empore, die erst vor etwa 120 Jahren eingebaut wurde, könnte umgestaltet werden, ebenso die Bankverteilung im Kirchenschiff. Mantey wünscht sich einen Altar vor der Treppe zum Chorraum, sodass die Gemeindeglieder drumherum sitzen.

Klar ist, dass die auffälligen Kristallglas-Lampen verschwinden sollen: „Das Gebäude muss wieder sprechen können“, sagt Mantey, „die Lampen sollen nur unterstützende Funktion haben.“ Über die Gestaltung des Innenraums entscheidet aber der Kirchenvorstand, in Abstimmung mit den Behörden.

Der Förderverein Stadtkirche St. Johannes Spangenberg wird auf jeden Fall weiter Spenden sammeln. Bislang sind 40 000 Euro zusammengekommen, die vom Kirchenerhaltungsfonds verdoppelt wurden.

Von Claudia Feser

Quelle: HNA

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