Damals in Jerusalem: Pfarrer Hans-Gerrit Auel über die Karwoche

Pfarrer Hans-Gerrit Auel

Schwalmstadt. Hans-Gerrit Auel, Pfarrer im Kirchspiel Niedergrenzebach, beschreibt in seiner Betrachtung zur Karwoche die letzten Tage Jesu.

Palmsonntag: Jesus zieht, wie es prophezeit wurde, auf einem Füllen in Jerusalem ein. Hosianna ruft das Volk und legt grüne Zweige auf den Weg. Die Menschen erkennen das Zeichen des Friedens. Als Messias geht Jesus diesen Weg.

Montag: Jerusalem ist ausgebucht. In Betanien übernachtet Jesus. Am Morgen geht er in die Stadt. In einer Zeichenhandlung attackiert er den Tempelkult. Die Hohenpriester und Schriftgelehrten fürchten sich und wollen ihn töten.

Dienstag: Die religiösen Eliten stellen Jesus Fangfragen. Eine ist die nach der Steuer. Jesus antwortet klug: "Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist!" Am Beispiel einer armen Witwe greift er seine Widersacher aufs Schärfste an: Die Witwe gibt alles, was sie hat, Gott; doch sie hat nur wenig, weil die Schriftgelehrten den Armen alles wegnehmen. Abends, beim fast schon vollen Mond, setzen sie sich auf den Ölberg und betrachten den Tempel. Die Jünger staunen, Jesus kündigt dessen Ende an. Darauf offenbart er den vier ersten Jüngern das Ende der Zeit. Er mahnt: "Wachet!"

Mittwoch: In Betanien salbt eine Frau Jesus mit kostbarem Öl (heute etwa 6000 Euro). Einige empört das. Das Öl hätte man verkaufen können, um den Armen etwas zu geben. Hätte das nicht Jesu Botschaft entsprochen? Jesus aber, den Tod vor Augen, erklärt es als vorgezogene Salbung für sein Begräbnis und lobt die unbekannte Frau. Judas indes ist nun bereit daran mitzuwirken, wie Jesus gefangengenommen werden kann - still und heimlich.

Gründonnerstag: Das Passafest steht an; es erinnert an den Auszug aus Ägypten. Abends feiert Jesus mit den Zwölfen Passamahl und kündigt den Verrat an. Alle halten es für möglich, dass sie Jesus verraten: "Bin ich's?" Das Brechen des Brotes deutet Jesus als Brechen seines Leibes. Das Trinken aus dem Kelch stiftet Teilhabe am Bund in Jesu vergossenem Blut. Bis Mitternacht singen sie Psalmen.

Karfreitag: Sie gehen nachts zum Ölberg. Dort kündigt Jesus Flucht und Verleugnung der Jünger an. Danach weint er im Garten Gethsemane. Wieder sagt er "Wachet!", doch die Jünger schlafen. Er ringt mit Gott und ergibt sich dem Willen seines Vaters. Mit einem Kuss verrät Judas Jesus - das Zeichen für die Häscher. Er wird festgenommen, die Jünger fliehen. Vor dem Hohen Rat wird Jesus gefragt: "Bist du der Messias?". Jesus bejaht und fügt die Verheißung des kommenden Menschensohns hinzu. Beim zweiten Hahnenschrei hat ihn Petrus in Todesangst zum dritten Mal verleugnet. Am Morgen verhört Pilatus Jesus. Das Volk schreit "Kreuzige ihn!" Er wird verurteilt, gegeißelt und verspottet. Er trägt den Querbalken, bricht zusammen, wird nackt gekreuzigt und stirbt nachmittags. Wird die Frage, wozu Gott ihn verlassen habe, beantwortet? Der römische Hauptmann zumindest bekennt Jesus als Gottes Sohn. Am Abend wird Jesus Christus von Josef von Arimathäa im Beisein von zwei Frauen ins Grab gelegt - ohne Salbung. Das war's. Sabbat.

Karsamstag: Sabbat. Ruhe über dem Grab. Christus im Reich des Todes. War's das?

Quelle: HNA

Kommentare