Hessischer Bauernverband feierte  Landeserntedankfest in Wolfhagen

Wunderschön geschmückt: Wolfhager Landfrauen und Bezirkslandfrauen dekorierten die Kirche anlässlich des Festes.

Wolfhagen. Es war ein Fest des großen Danks, verbunden mit Appellen für eine erfolgreiche Zukunft: Das Landeserntedankfest, zu dem der Hessische Bauernverband am Sonntag nach Wolfhagen eingeladen hatte, war geprägt vom Wandel der Landwirtschaft.

Aber auch den daraus folgenden Entwicklungen für die Landwirte in ganz Hessen.

Nicht umsonst sprach Erich Schaumburg, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Kassel, von einem Jahr, das nicht in die vergangenen Jahre passe. „Das vergangene Erntejahr war eine besondere Herausforderung“, betonte Schaumburg während des Erntedankgottesdienstes in der evangelischen Stadtkirche. Schaumburg appellierte, bewusst durch die Natur zu gehen und die unterschiedlichen, saisonalen Entwicklungen wahrzunehmen.

Die Vorsitzende des Bezirkslandfrauenvereins Wolfhagen, Elfriede Münz, ging in ihrer Rede auf die Lebensmittelverschwendung ein. Es gelte, weiterhin intensiv an der Ernährung der Menschen zu arbeiten, sagte Münz.„Wer den richtigen Umgang mit unseren Lebensmitteln kennt, schätzt ihren Wert“, betonte sie. Umrahmt von Musik des Bezirkslandfrauenchors, des Posaunenchors der Kirchengemeinde, von der Kreiskantorei Wolfhagen sowie von Kirchenmusikdirektor Bernd Geiersbach stand im Mittelpunkt des Gottesdienstes der Dank für die trotz des harten Frostes im Februar noch reichhaltige Ernte.

Darauf ging Prälatin Marita Natt, Vertreterin des Bischofs der Evangelischen Landeskirche Kurhessen-Waldeck, während ihrer Predigt ein. Gerade in Zeiten der Gentechnik sei der Gedanke an die Beziehung zwischen Schöpfer und Schöpfung immer wichtiger. Der Predigttext solle laut Natt daher vor allem sensibel machen für den Dank an den Schöpfer. Wegen täglich erscheinender „erschreckender Nachrichten“ schloss Natt, dass der Mensch begrenzt handele und denke. „Mir fällt in diesem Zusammenhang die Geschichte vom Turmbau zu Babel mit all der menschlichen Überheblichkeit ein“, sagte sie. Das romantische Bild der Landwirtschaft gebe es dementsprechend nicht mehr. Das Geheimnis des Samenkorns jedoch bleibe nach wie vor, betonte die Prälatin.

Zufrieden blickte sie auf den „gewaltigen und wunderbaren Dank an Gott“, mit aller Pracht habe man den Sommer in der wunderschön dekorierten Wolfhager Stadtkirche noch einmal erleben können.

Tatsächlich hatten sich die Landfrauen aus Wolfhagen und die des Bezirkslandfrauenvereins Kassel größte Mühe beim Dekorieren der Kirche gegeben. Nicht zuletzt durch die prächtige Dekoration wurde der Gottesdienst zu einem der besonderen Art - mit dem Dank für die gute Ernte an vorderster Stelle.

Regionale Produkte bevorzugen

Nachdem Landwirte, Ehrengäste und Besucher im Festgottesdienst in der Stadtkirche für die Ernte im abgelaufenen Jahr gedankt hatten, stand im Anschluss eine weitere Feierstunde in der Wolfhager Stadthalle an.

Zu einem reichhaltigen Kuchenbuffet, das die Landfrauen vorbereitet hatten, kamen Reden und Grußworte der Ehrengäste. Friedhelm Schneider etwa, Präsident des Hessischen Bauernverbandes, hob die Wichtigkeit des Erntedankfestes hervor. „Das Erntedankfest lässt uns die Kraft der Natur erfahren“, sagte Schneider. Obwohl die hessischen Landwirte laut Schneider in einer „landwirtschaftlichen Gunstlage“ befänden, können sie sich dennoch nicht sicher seien, in jedem Jahr eine gute Ernte einzufahren.

Zugleich warf Schneider auch die Frage auf, ob man als Landwirt Erntedankfest feiern dürfe, wenn an anderer Stelle in der Welt gehungert werde. Er war sich jedoch auch sicher, dass es zum äußeren Ausdruck des Dankes dazu gehöre, das Erntedankfest zu feiern. Eine Aussage, die auch Lucia Puttrich, Hessische Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, bekräftigte. „Wir müssen in Demut, Dankbarkeit und in Verantwortung für die folgenden Generationen Erntedank feiern“, betonte sie. Puttrich appellierte zudem, man möge sich „saisonal“, also mit regionalen Erzeugnissen zu ernähren. „Das macht Sinn, immerhin unterstützen wir dadurch die heimische Landwirtschaft“, rief sie den applaudierenden Landwirten zu.

Es sei das Los eines Landwirtes, das, was kommt anzunehmen. „Anzunehmen mit fachlichem Wissen und der Technik“, führte die Ministerin aus. Am Beispiel Biomasse erklärte Puttrich, dass einige Menschen scheinbar verlernt hätten, differenziert zu diskutieren. „Viele reden bei der Biomasse nur negativ über den Mais“, stellte sie fest. Dabei sei die Biomasse für die Landwirte sehr wohl ein mögliches Standbein, hieß es von Seiten der Ministerin zum Abschluss des Landeserntedankfestes in Wolfhagen. (ld)

Quelle: HNA

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