„Das ärgert alle Eltern“: Erzieher-Streik in der Region macht Probleme

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Hier wird gestreikt: Die Kita „Kunterbunt“ in Ehlen wird bestreikt. Eine Erzieherin, die nicht der Gewerkschaft angehört, kümmert sich mit Eltern in einer Notgruppe um Kinder.

Wolfhager Land. Mit bunt bemalten Gesichtern spielen die Mädchen und Jungen im Garten der Kita „Kunterbunt" in Ehlen. Allerdings sind es nur 14 Kinder - normalerweise sind es 70.

Der Elternbeirat hat die Betreuung eilig in einer Notgruppe organisiert, Eltern helfen mit, außerdem ist eine Erzieherin im Einsatz, die nicht in der Gewerkschaft organisiert ist. Mit dabei sind an diesem Tag auch Tanja Rieger, Erzieherin in Elternzeit, und Janine Gebhart, die in der Personalabteilung der Gemeinde Habichtswald arbeitet. Sie hat zusammen mit ihrem Chef, Bürgermeister Thomas Raue (SPD), spontan entschieden, auszuhelfen. Auch er kümmerte sich einen Tag um die Kinder der Notgruppe.

Wenn die Kinder „nachweislich“ nicht anders untergebracht werden können, weil die Eltern arbeiten, können Drei- bis Sechsjährige in der Notgruppe aufgenommen werden. Verpflegung gibt es allerdings nicht. Für kommende Woche sind bereits mehr als 20 Kinder angemeldet.

In den ersten beiden Wochen sei die Betreuung gut zu regeln gewesen, sagt eine Mutter. „Aber mittlerweile wird es schwierig.“ Sie hofft, dass der Streik bald ein Ende hat. „Man kommt ins Schleudern“, sagt Mutter Christina Toparkus. Vor allem weil man nicht wisse, wie lange der Streik noch dauere. „Das ärgert alle Eltern.“

Appell an Tarifparteien 

Gestreikt wird auch in Breuna, allerdings nicht in der Kita in Oberlistingen. Mitarbeiter aus Breuna waren am Donnerstag bei der großen Demo in Frankfurt dabei. Im kleineren Rahmen wurde auch in Zierenberg demonstriert. Dort zogen am Mittwoch Erzieherinnen und Eltern mit Transparenten vor das Rathaus.

Michael Steisel (SPD), Sprecher der Bürgermeister-Kreisversammlung und Rathauschef in Söhrewald, hat einen Brief verfasst, der sich an die Tarifparteien richtet. Diesen hat er allen Kommunen im Kreis Kassel zur Verfügung gestellt mit der Bitte, im Namen der Verwaltungen zu verschicken. Damit soll Druck gemacht werden, damit die Verhandlungen schneller vorangehen. „Anscheinend ist den Handelnden die dramatische Situation der Eltern und der Kinder nicht bewusst“, heißt es in dem Schreiben.

„Geld ohne Gegenleistung“ 

Die SPD-Senioren im Kreis Kassel fordern derweil, dass Kindergärten ein kostenloses Angebot sein müssten. Die Kommunen seien überfordert, deshalb müsste das Land diese Aufgabe übernehmen, fordert Ullrich Meßmer. Torsten Felstehausen, Sprecher der Partei Die Linke Kassel-Land rät Eltern, den Protest an die Bürgermeister und die Vereinigung kommunaler Arbeitgeber zu richten. „Von dort muss Bewegung bei den Tarifauseinandersetzungen kommen“, betont er. Eltern müssten die Beiträge zurückfordern, sagt Torsten Felstehausen.

Die Frage, ob Kita-Gebühren für die Zeit des Streiks erstattet werden, schwelt derzeit weiter. Nadine Müller aus Zierenberg schreibt in ihrem offenen Brief: „Die Ironie bei dem Kindergarten-Streik liegt darin, dass diejenigen, die unter wirtschaftlichen Druck geraten sollen - die Kommune als Arbeitgeber - an jedem Streiktag nicht nur Geld sparen, sondern je nach Gebührenlast sogar zusätzlich Geld bekommen. Ohne Gegenleistung.“

Quelle: HNA

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