Breunaer klagt gegen Geschäftsführer von Eon Mitte wegen versuchten Betruges

Streit mit Eon: „Das ist doch alles absurd“

Reger Schriftverkehr: Sebastian Klaffer hat alle Unterlagen gesammelt. Jetzt liegt der Vorgang bei der Staatsanwaltschaft Kassel. Foto: Glass

Breuna/Naumburg. „Mir reicht es.“ Seit einem knappen Jahr führt Sebastian Klaffer aus Breuna einen regen E-Mailaustausch mit dem Energiekonzern Eon-Mitte. Der Grund: Der Stromanbieter schickte ihm im Juni vorigen Jahres per Post eine Vertragsbestätigung, die er jedoch niemals angefordert hatte, da er keinen Vertrag eingegangen war.

Sebastian Klaffer vermietet mehrere Wohnungen in Naumburg und für eine davon sollte der Vertrag gelten (Hintergrund). Der 36-jährige Lehrer selbst ist aber kein Kunde bei der Eon. Zudem beinhaltete das Schreiben keine Angaben darüber, um welche der insgesamt sechs Mietwohnungen es sich handelte. Auch die Zählernummer war nicht aufgeführt.

Automatische Antworten

Verärgert reagierte der Breunaer mit einem Antwortschreiben per E-Mail, indem er ausdrücklich darlegte, kein Kunde zu sein. Die automatische Rückantwort, die von der Eon kam, reagierte nicht darauf – im Gegenteil. Kurze Zeit später erhielt der Vermieter erneut eine Vetragsbestätigung. Und wieder antwortete der 36-Jährige prompt. „Ich bin mehr oder weniger gezwungen nachzuweisen, dass ich kein Kunde bin. Das ist doch alles absurd – hier wird versucht, die Beweislage umzukehren“, sagt er. Inzwischen hatte sich bereits jede Menge Papier angesammelt – Sebastian Klaffer hat alles gesammelt und chronologisch geordnet. Doch noch war die Sache nicht beendet – es ging weiter: Im August 2010 erhielt er dann sogar die erste Abschlagsrechnung in Höhe von 75 Euro – und war darüber außer sich. „Mir geht es nicht um den Betrag“, sagt der Breunaer. „Es ist nur unglaublich, wie hier vorgegangen wird“, sagt er und vermutet dahinter eine Masche. Kein Vertrag, keine Nutzung des Stroms – „was soll das alles?“, fragt sich der Breunaer und reagierte erneut mit Widerspruch.

Parallel zu den Vorgängen ereignetete sich eine weitere Kuriosität: Seit Wochen bemühte sich der neue Mieter der betreffenden Wohnung um eine Vertragsbestätigung mit der Eon – doch nichts geschah. Nur eines: Klaffer erhielt eine Mahnung. Er wolle keinen weiteren Schriftwechsel mehr führen, der Betrag solle eingeklagt werden, antworte der Lehrer. Das war im Oktober.

Einen Monat später erhielt er plötzlich ein Entschuldigungsschreiben. Darin hieß es, man wolle die unrechtmäßig ausgestellte Rechnung ausbuchen und die Mahnung stornieren. Als Entschädigung für den enormen Schriftverkehr und Ärger erhielt der Breunaer einen Tankgutschein in Höhe von zehn Euro. Er war froh, endlich Ruhe zu haben. Fünf Monate lang währte diese Ruhe: Ende April dieses Jahres erhielt er dann wieder Post von der Eon – die nächste Rechnung. Da er sich mit dem Stromanbieter nicht mehr auseinandersetzen will, stellte er jetzt Strafanzeige wegen versuchten Betruges gegen die Geschäftsführer der Eon Mitte Vertrieb GmbH bei der Staatsanwaltschaft Kassel. Das Ermittlungsverfahren läuft.

"Da lässt sich nichts schönreden"

„Da lässt sich nichts schönreden“, sagt Renè Schneider, Pressesprecher bei der Eon Mitte Vertrieb GmbH. „Unser Service hat in diesem Fall einfach versagt.“ Der Sprecher sieht die Ursache des Vorfalls im Mieterwechsel. Der müsse gemeldet werden. Liege diese Meldung nicht vor, werde der Hauseigentümer automatisch zum Kunden – wie eben im Fall von Sebastian Klaffer.

Dieser hatte jedoch ordnungsgemäß reagiert. Das bestätigt auch Schneider. Wie es aber passieren konnte, dass sich das Problem nicht auflöste, sich über Monate hinwegzog und die Eon nicht entsprechend reagierte, ist auch für den Sprecher nicht nachvollziehbar. Möglicherweise hinge es mit der Umstellung des Abrechnungssystems zusammen. „Man kann sich nur entschuldigen“, sagt Schneider. Ein entsprechendes Schreiben werde Sebastian Klaffer in den nächsten Tagen erhalten.

Auch solle er noch eine Art Entschädigung für den Ärger bekommen. Und dem Mieter der Wohnung werde man für den Zeitraum von etwa fünf Monaten die Grundgebühr erlassen, sagt der Sprecher.  Zum aktuellen Ermittlungsverfahren wollte sich der Sprecher nicht äußern. (veg)

Quelle: HNA

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