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Seitenwechsel von Ex-Bürgermeister Wagner: „Das stinkt zum Himmel“

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Neue Rolle: Ex-Bürgermeister Martin Wagner berät kurz nach dem Ende seiner Amtszeit ein Unternehmen, das im ehemaligen Kasernengelände investieren will.

Homberg. Enttäuschung, Verwunderung und Ärger sind die Reaktionen darauf, dass Hombergs Ex-Bürgermeister Martin Wagner kurz nach dem Ende seiner Amtszeit die Seiten gewechselt hat. Grüne, FWG, SPD und FDP wollen mit Wagner als Berater von Firmen nicht zusammenarbeiten.

Erst kürzlich hatte Wagner eine Firma beraten, die mit der Stadt Geschäfte machen und ein Areal des ehemaligen Kasernengeländes kaufen will. Dieses Geschäft hatte Wagner noch als Bürgermeister auf den Weg gebracht.

„Wir werden diese Rolle nicht akzeptieren“, betont Stefan Gerlach, Fraktionsvorsitzender der SPD. „Martin Wagner mit seinen spezifischen Interessen sollte in der Homberger Kommunalpolitik nicht mehr auftauchen“, so Gerlach weiter. „Wir wollten das Misstrauen loswerden, doch mit ihm als Berater geht der alte Käse wieder von vorne los. Das können wir nicht gebrauchen.“ Für den Seitenwechsel so kurz nach dem Ende der Amtszeit habe er kein Verständnis. Das sei enttäuschend, instinktlos, völlig schamlos, politisch nicht korrekt und habe Geschmäckle.

Gerlach macht dabei keinen Unterschied, ob Wagner der Firma mit oder ohne Beratervertrag zur Seite steht: „Das ist mir Wurst. Er hat in diesen Verhandlungen nichts zu suchen.“ Man könne sich mit dem Kaufinteressenten weiterhin an einen Tisch setzen, aber ohne Wagner. „Er ist für uns eine Persona non grata in Homberg.“

Martin Wagner

Wagner habe noch in den letzten Wochen seiner Amtszeit mit Druck dafür gesorgt, dass der Verkauf des Geländes an die Firma „Peter Koch Invest UG“ von den Stadtverordneten entschieden wurde. Auf dem Gelände sollte dann die Firma Battle Tank Dismantling (BTD), deren Geschäftsführer Peter Koch ist, tätig werden. „Jetzt erweckt es den Anschein, dass das nicht sauber gelaufen ist und Wagner sich während seiner Amtszeit den Zugriff auf das Herzstück der Ostpreußenkaserne gesichert hat“, so Achim Jäger, Fraktionsvorsitzender der FWG. Moralisch sei das verwerflich und es sei zudem äußerst ungeschickt.

Kernproblem sei aber auch, dass man das Gelände ohne Konzept gekauft habe. „Es gibt keinen Entwicklungsplan, und sollte das Geschäft nicht verwirklicht werden, stehen wir vor den Scherben der schlechten Planung.“ Dennoch sei die FWG optimistisch, dass man mit dem neuen Bürgermeister Dr. Nico Ritz, die Chance habe, eine vernünftige Lösung zu finden.

„Das stinkt zum Himmel“, so Manfred Ripke, Fraktionsvorsitzender der FDP. Er sage dies nur ungern, schließlich habe seine Fraktion Wagner oft unterstützt. Daher sei die Enttäuschung auch groß. „Dieses Verhalten ist äußerst unanständig. Die FDP sei dafür, dass die Verhandlungen neu begonnen werden. „Wir können keinen Berater Martin Wagner gebrauchen.“ Einen Neuanfang könne es mit ihm nicht geben.

Als unglücklich empfindet Joachim Pauli, Fraktionsvorsitzender der CDU, die Situation. Doch wolle sich die CDU nicht an Spekulationen beteiligen und hoffe auf einen guten Abschluss mit der Firma BTD.

Bereits gestern hatten sich die Grünen in einer Stellungnahme gegen Wagner als Gesprächspartner ausgesprochen und seine Beratertätigkeit heftig kritisiert.

Trotz der Zusage einer Rückmeldung von der Firma Battle Tank lag diese bis Redaktionsschluss nicht vor.

Von Maja Yüce

Quelle: HNA

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