Schwalmgymnasiasten widersprechen der Schulhass-Autorin Viviane Cismak

„Das ist völlig übertrieben“

Martin Krupa

Schwalmstadt. Oberstufenschüler haben wenig an ihrer Schule auszusetzen. Das ergab eine stichprobenartige Umfrage unserer Zeitung bei Schülern der Klasse 13 am Schwalmgymnasium in Treysa, wo wir junge Menschen mit den Aussagen der Autorin Viviane Cismak konfrontiert haben (siehe Hintergrund). Ergebnis: Sie stimmen den Thesen nicht zu und sind mit ihrer Schule weitgehend zufrieden.

„Für mich gibt es keinen Grund, die Schule zu hassen“, erklärte Martin Krupa. Lediglich der Stundenplan sei eine Katastrophe, da zwischen den Unterrichtsstunden auch Freistunden seien und er und seine Mitschüler daher öfters lange in der Schule bleiben müssten. „Leute, die von außerhalb kommen, können nicht mal schnell bei zwei freien Stunden nach Hause fahren“, sagte er. Davon sei in den Thesen der Autorin jedoch nichts zu lesen.

Maßlose Übertreibung

Sein Mitschüler Sören Specht kann keiner Behauptung von Viviane Cismak zustimmen: „Die aufgestellten Thesen sind maßlos übertrieben. Das kommt mir vor wie beim Buch von Thilo Sarrazin. Aber dadurch wird es sich sicher gut verkaufen.“

Sarah Thiedemann sieht das nicht negativ. „Sie muss polarisieren, wenn sie ihr Buch verkaufen will,“ meint die Oberstufenschülerin. Sie widerspricht aber den Thesen der Autorin. „Natürlich lohnt sich Leistung in der Schule. Wenn man sich anstrengt, wird man auch belohnt.“

Das sieht auch Johanna Daher so. „Die Leistung entscheidet über die Note“, sagt sie. Wenn jemanden jedoch auffalle, dass dies nicht der Fall sei, dann müsse das auch angesprochen werden. Sie gibt aber zu, dass gute Schüler es manchmal schwer hätten, wie die Autorin in einer These behauptet. „Gute Schüler fühlen sich manchmal nicht gefordert, weil die Lehrer Rücksicht auf schwächere Schüler nehmen müssen“, erklärte die 18-Jährige. Dieser These kann sie etwas abgewinnen.

Den Vorwurf, dass Lehrer machen würden, was sie wollen und den Lehrplan ignorieren, sehen die Oberstufenschüler des Schwalmgymnasiums anders. „Es ist die Pflicht der Lehrer, sich an den Lehrplan zu halten und unsere Lehrkräfte tun dies auch“, sagte Sören Specht. Er kritisierte jedoch, dass die Lehrpläne in vielen Schulfächern veraltet seien.“

Auch von einer unwillkürlichen Notenvergabe am Schwalmgymnasium könne keine Rede sein, so die Meinung der Mehrzahl der Befragten. „An der Notenvergabe an unserer Schule gibt es nichts zu kritisieren“, unterstrich Merlin Delroy. Die These hält er genauso wie alle anderen für bezugsfern.

„Jeder hat seine eigenen Erfahrungen gemacht in der Schulzeit und zieht dementsprechend auch ein anderes Fazit.“

Sarah Tiedemann

Es gebe Lehrer, die sehr methodisch vorgehen würden bei der Notenvergabe, berichtet Sarah Thiedemann. „Wir bekommen von einigen Lehrern immer wieder Zwischennoten mitgeteilt, so dass zu jeder Zeit der Leistungsstand bekannt ist“, schilderte sie.

„Jeder hat seine eigenen Erfahrungen gemacht in der Schulzeit und zieht dementsprechend auch ein anderes Fazit“, lautet die Einschätzung von Sarah Thiedemann. (flq)

Quelle: HNA

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