Künstler Hans-Joachim Bauer beschäftigt sich weiter mit Transhumanismus

Dasein auf anderer Ebene

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Jede Menge Symbolik: Ein Computerwesen (links) könnte eines Tages in Kontakt treten mit längst nicht mehr existierenden Wesen, hier repräsentiert durch eine kleine Plastik, die Dschingis Khan darstellen soll.

Homberg. Ist es möglich, menschliches Bewusstsein in einen digitalen Speicher zu übertragen und damit eine andere Ebene der menschlichen Existenz zu erreichen? Mit solchen und ähnlichen Fragen des Transhumanismus beschäftigt sich derzeit Dr. Hans-Joachim.

Der Homberger Landart-Künstler stößt dabei an Grenzen, denn die Idee von einer weiterentwickelten Daseinsform lässt sich nicht eben leicht als Kunstprojekt in die Natur übertragen.

An eine andere Grenze hat sich Bauer längst gewöhnt. „Die Menschen haben oft kein Verständnis für solche Projekte und sagen, der Bauer spinnt. Aber das kenne ich schon“, sagt der 71-Jährige. Jüngstes Beispiel war eine Installation auf dem Homberger Friedhof, auf der Grabstelle, wo Bauer einmal begraben sein wird (wir berichteten).

„Die Menschen sagen, der Bauer spinnt, aber das kenne ich schon.“

Ungeachtet dessen setzt er seine Arbeit fort und hat weitere Pläne zum Thema Transhumanismus. Jüngstes Beispiel ist eine Installation an einem Bachlauf.

Dort hat Bauer ein Aquarium in einen ausrangierten Computer montiert und mit Computerschrott gefüllt. Am gegenüberliegenden Ufer hockt ein kleiner Betondrache aus dem Baumarkt.

Das „Es“ (im Computer), das noch nicht existiert, wartet auf eine Botschaft von einer Person, die nicht mehr existiert. Der Drache steht in diesem Fall für den mongolischen Herrscher Dschingis Khan.

Das lässt viel Raum für Interpretationen. Ein künstliches Wesen könnte dereinst in Kontakt treten mit einem Wesen, das nicht mehr existiert. Das wäre nach Lesart des Künstlers die Überwindung des Biologischen, vorausgesetzt das menschliche Bewusstsein ließe sich digitalisieren.

Auf dem Homberger Friedhof hatte sich der 71-Jährige kürzlich auch mit der eigenen Vergänglichkeit auseinandergesetzt. Die Beschäftigung mit dem Tod habe er nicht als beängstigent empfunden, sagt Bauer. „Es stellte sich vielmehr ein besänftigendes Gefühl ein, sich der eigenen Grabstätte gegenüber zu sehen“, sagt er.

Das nächste Projekt des Landart-Künstlers soll wieder auf einem Acker angesiedelt sein. Dabei werde es um die Weiterentwicklung der Zivilisation mit digitalen Mitteln gehen. In ein Feld von Erhard Schröder soll die Symbolik dazu eingearbeitet werden.

Und für den Herbst plant Bauer ein weiteres Kunstwerk in der Natur: Eine Hirnplantage mit Kohl-Köpfen, die computergesteuert werden.

Quelle: HNA

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