Sport soll JVA-Insassen bei der körperlichen und persönlichen Entwicklung helfen

Dauerlauf hinter Mauern

Spielt begeistert Tischtennis: Berndt Künneth, 54, ist Vorsitzender des SV Schloss und seit 15 Jahren Häftling in Ziegenhain. Foto: Lammel

Ziegenhain. Die Sportwoche der JVA-Ziegenhain mündete am Wochenende in ihren Höhepunkt, das Sportfest für die Häftlinge am Samstag. Fitness, Geschicklichkeit und Kraft waren bei den Wettbewerben gefordert. Das diente nicht nur dem Spaß, vielmehr gehört der Sport zum pädagogischen Konzept der Anstalt.

„Unser Sportangebot geht Hand in Hand mit der medizinischen und psychologischen Betreuung der Häftlinge“, erklärt Anstaltsleiter Jörg Bachmann. Sportlicher Erfolg steigere das Selbstbewusstsein, und das diene dem Aggressionsabbau.

Straffer Sportplan

Sportlehrer Marek Paluszak kümmert sich mit mehreren Vollzugsbeamten, die zum Sportübungsleiter ausgebildet wurden, um das Bewegungsprogramm. Der Sportplan sieht Basketball, Fußball und Badminton, aber auch Krafttraining, Spinning und Rückenschule vor, stets unter den Augen der Übungsleiter. Häftlinge mit Arbeit trainieren nachmittags, zwei Mal in der Woche steht morgens Schulsport an.

Laut Übungsleiter Ansgar Sippel treiben etwa 150 Häftlinge regelmäßig Sport. Einige davon bringen sich erst hinter Gittern in Form. „Einmal im Jahr veranstalten wir einen einstündigen Dauerlauf“, sagt Übungsleiter Holger Daum. Dafür werden die Höfe der JVA zu einer Strecke von 400 Metern Länge verbunden. „Einer der Häftlinge wog zu Trainingsbeginn 116 Kilogramm, beim Lauf waren es nur noch rund 100“, berichtet Daum.

Der Beste beim vergangenen Lauf schaffte 14,6 Kilometer auf der kurvenreichen Strecke, immer an den Mauern entlang. Mit dabei waren auch Gäste, die in Freiheit trainieren. „Die Begegnung mit Menschen von außen ist sehr wichtig. Die Häftlinge sehen, dass es draußen ein Leben gibt, auf das sie hinarbeiten können“, erklärt Gefängnisdirektor Bachmann.

Die Mitglieder des Gefangenenvereins SV Schloss haben zusätzliche Trainingszeiten und einen eigenen Trainingsraum im Neubau der Anstalt. Ihre Punkte in der Bezirksklasse im Tischtennis holen die Häftlinge nur in Heimspielen, hinter Schloss und Riegel.

„Wir können uns auf die Jungs verlassen.“

Ansgar Sippel

„Es gab bislang keinen Zwischenfall“, betont Sippel. Wenn ein Gefangener auf falsche Gedanken komme, werde er von anderen Insassen gebremst. „Da können wir uns auf die Jungs verlassen“, sagt Sippel, „sie wollen sich die Spiele nicht nehmen lassen.“

Berndt Künneth trat erst kürzlich eine weitere Amtszeit als Vorsitzender des SV Schloss an, dessen Vorstand ausschließlich aus Gefangenen besteht. Der Sport ist ihm sehr wichtig. „Ich arbeite im Sporthaus, baue die Geräte auf und pflege sie“, beschreibt Künneth, der seit 15 Jahren in Ziegenhain einsitzt, seine Beschäftigung. Seit 13 Jahren ist er bereits im Verein aktiv.

Von Sebastian Lammel

Quelle: HNA

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