Benefiz-Essen im Kloster Haydau wie zu Luthers Zeit, aber mit heutigen Tischmanieren

Deftiges zur Wildsau

Kostümierte Seelsorger als Kellner: Neumorschens Pfarrer Bernd Knobel serviert hier den Hauptgang. Foto:  Riemenschneider

Altmorschen. „Hessen ist deswegen die beste Gegend, weil es infolge von Not und Hunger nicht eingenommen werden kann, denn alle Feinde würden darin Hungers sterben.“ So zitierte Rolf Römer am Samstag beim Festessen „Futtern wie bei Luthern“ im Kloster Haydau in Altmorschen den Reformator Martin Luther. Hungern musste an diesem Abend aber niemand.

Ein Fünf-Gänge-Menü für den guten Zweck hatte der Evangelische Kirchenkreis Melsungen organisiert. Etwa 100 Gäste nahmen an diesem kurzweiligen und zugleich äußerst nahrhaften Abendprogramm teil.

Neben schmackhaften Speisen wie Wildsau mit Pflaumen und Rosinen mit Rosmarinkartoffeln, die entgegen der Traditionen der lutherschen Zeit dann doch mit Messer und Gabel gegessen werden durften, gab es ein ausgedehntes Unterhaltungsprogramm.

Rolf Römer gab als Luther-Rezitator viele weitere amüsante Zitate zum Besten. Übertroffen wurde er noch von Schauspielerin Heidrun Kaletsch, die in der Rolle von Luthers Ehefrau Katharina einmal ihre Sicht der Dinge schilderte. Damit rückte sie Luther in ein neues Licht und verwies auf die Schwierigkeiten im Zusammenleben mit dem Reformator. „Meinen täglichen guten Willen gib mir heute“ bete sie jeden Morgen, aber er reiche nicht immer bis zum Abend.

Kirchenkreis-Dekan Rudolf Schulze, der auch als Mönch gewandet daherkam, kündigte die einzelnen Gänge an. Auch versäumte er nicht, den Zweck dieser Benefizveranstaltung zu erläutern: Vom Erlös wolle die Diakonie einen mobilen Schulladen einrichten, wo sozial schwache Familien günstige Schulartikel für ihre Kinder erstehen können.

Zur stilechten Atmosphäre trug die passende musikalische Begleitung bei, die Peter Kozeluth auf der Orgel und Harald David Mayer mit Flöte und Cembalo lieferten.

Pfarrer aus dem ganzen Kirchenkreis hatten den Tischservice übernommen und rundeten in ihren Kostümen des 16. Jahrhunderts die Veranstaltung perfekt ab. So war es wohl für alle Gäste ein gelungener Abend, auch wenn manch einer sich am Beginn nicht viel darunter vorstellen konnte.

Und sicherlich war es auch nicht für jeden leicht, die strengen Tischmanieren der Luther-Epoche einzuhalten, die Schulze zu Anfang verlesen hatte: „Was du im Mund gehabt hast leg nicht aufs Geschirr zurück und wirf keine Abfälle unter den Tisch. Bei Tisch kratzt man sich nicht, und man spuckt auch nicht über den Tisch.“ (zgr)

Quelle: HNA

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