Kindergartenplanung beschäftigt am Freitagabend das Homberger Parlament

Denken wie Wikinger Wickie

Pfiffige Idee: Wickie der Wikinger hatte stets kluge Einfälle und rettete so seinen Vater aus ausweglosen Situationen. Foto: dpa

Homberg. Ein wenig erinnert Jochen Gontermann an den Jungen Wickie; den Wikinger. Der hatte immer pfiffige Ideen und rettete so ein ums andere Mal seinen in eine scheinbar ausweglose Situationen geratenen Vater und dessen Schiffsmannschaft.

Auch Gontermann, der Architekt der Stadt Homberg ist, ist ein Problemlöser. Zwar steckt die Stadt Homberg in Sachen Kindergartenplätze nicht in einer ausweglosen, wohl aber in einer schwierigen Situation. Denn in Homberg werden ab August mindestens 30 Kindergartenplätze für Kinder unter drei und unter zwei Jahren fehlen. Das ist ein Ergebnis der Arbeitsgruppe für die Kindergartenplanung. Hinzu komme, dass das Kreisjugendamt die Pläne für Krippenanbauten in Caßdorf und Holzhausen ablehne. Dessen Zustimmung gilt aber als wichtige Voraussetzung, um Zuschüsse zu erhalten.

Pädagogisch nicht sinnvoll

Grund für die Ablehnung: Die Anbauten seien zu krippenlastig, nicht familienfreundlich, da Eltern ihre Kinder fahren müssten und pädagogisch nicht sinnvoll. Diese Argumente gelten auch für den möglichen Umbau des Kindergartens in Mardorf. Nicht krippenlastig bedeute, dass sich das Angebot vor allem an Kinder unter drei Jahren richte und anschließend nicht gewährleistet sei, dass sie in der Einrichtung bleiben können, erklärt Bürgermeister Martin Wagner.

Doch muss die Stadt eine Lösung parat haben, denn ab August besteht ein Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz für alle Kinder zwischen ein und sechs Jahren. Das Dilemma ist, dass der demografische Wandel längst auch in Homberg angekommen ist und der Landkreis nicht nur überaltert, sondern wohl auch immer weniger Kinder geboren werden. „Und die meisten Familien leben in der Kernstadt. Bis zu 70 Prozent der Kindergartenkinder gehen in die Einrichtungen der Kernstadt“, sagt Wagner. Ein Neubau eines Kindergartens in der Kernstadt wäre also auch denkbar.

Doch ist ein Neubau überhaupt sinnvoll, wenn doch die Kinderzahlen schrumpfen? An diesem Punkt kommt Gontermann mit einer pfiffigen Idee ins Spiel. Er hat die Idee für einen Kindergartenneubau, der jederzeit auch in ein Wohnhaus für eine oder mehrere Familien umgewandelt werden kann. Also eine Immobilie, auf der die Stadt – sollten die Geburtenzahlen weiterhin sinken – nicht sitzenbleibt. „Sie könnte verkauft oder vermietet werden“, sagt Gontermann. Denn es handele sich um ein Doppelhaus. Die Kosten dafür seien für die Stadt überschaubar, weil es Förderungen dafür gebe. Auf etwa 470 000 Euro belaufen sich die Kosten für den Bau. Etwa 300 000 Euro erwarte man an Zuschüssen.

Mit Substanz planen

Wagner: „Wir müssen langfristig denken“, betont er. Das mache man mit Gontermanns Plänen, die anders als die sonst üblichen Zweckbauten seien. Möglicher Ort für den Neubau sei das Mühlhäuser Feld. Durch einen Neubau müsse sich keine Einrichtung bedroht fühlen. Kein Kindergarten werde geschlossen, solange die Gruppengröße über 13 Kindern liege. Selbst wenn an einem Standort wie Mardorf geringere Zahlen erreicht wurden, sei es gelungen, diese durch Überhänge in anderen Einrichtungen aufzufangen. „Wir versuchen, die Zahlen zu halten und das Angebot aufrecht zu erhalten.“ Einfach sei das nicht.

• Über die Kindergartenplanung beraten die Stadtverordneten am Freitag, 22. März, ab 19 Uhr, in der Stadthalle.

Von Maja Yüce

Quelle: HNA

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