„Der Lückenschluss ist Gift“

Oliver Steyer (Grüne) kritisiert Akzeptanz des Weiterbaus der A49 bis A5

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Lkw an Lkw auf der A 49: So werde es aussehen, wenn der Lückenschluss zur A 5 kommt, befürchtet Oliver Steyer.

Edermünde. Wenn die A49 weitergebaut und an die A 5 angeschlossen wird, hat das gravierende Auswirkungen auf die Menschen in den Gemeinden entlang der Trasse.

Schwerlastverkehr, Lärm, Umweltbelastungen, Gewerbegebiete und Landverbrauch nehmen zu.

Dass trotzdem zurzeit kaum jemand mehr seine Stimme erhebt gegen diese

Oliver Steyer

Weiterbau- und Anschlusspläne im Bundesverkehrswegeplan, will Oliver Steyer, Gemeindevertreter der Grünen in Edermünde, nicht akzeptieren. Wir sprachen mit ihm über Befürchtungen und Lösungen.

Was ärgert Sie an der jetzigen Situation in Sachen A49? 

Steyer: Dass man in der Öffentlichkeit nur noch den Ruf nach Fertigstellung der Autobahn vernimmt - als wenn darin die Glückseligkeit liegt. Widerstand regt sich kaum, obwohl wir in Hessen einen grünen Verkehrsminister haben.

Könnte denn Al-Wazir noch viel ändern? Der Bund ist doch Bauherr, nicht das Land. 

Steyer: Die hessischen Vorgängerregierungen haben das sehr intelligent gemacht und Pflöcke eingeschlagen, die es ihren Nachfolgern offenbar fast unmöglich machten etwas zu ändern. Der A49-Weiterbau ist so etwas wie ein Selbstläufer geworden.

Und warum jetzt trotzdem Ihr Protest? 

Steyer: In meiner Funktion als Gemeindevertreter in Edermünde sehe ich die großen Belastungen für die Einwohner, vor allem von Grifte und Holzhausen. Zum Beispiel wird es neben Lärm und Luftverschmutzung auch zu einem weiteren massiven Flächenverlust für die Landwirtschaft kommen. Immer mehr Gewerbebetriebe, gerade Logistiker, werden sich entlang der Autobahn ansiedeln, wenn sie an die A 5 angebunden ist.

Das Land, das uns ernähren soll, geht verloren. Ich will nicht, dass Edermünde ein zweites Bergshausen wird, quasi eine reine Vorstadt statt einer ländlichen Gemeinde.

Aber kann man denn diese Entwicklung im Umfeld der Ballungsgebiete und Autobahnen noch zurückdrehen? 

Steyer: Klar ist die Logistik für Nordhessen ein wichtiges Wirtschaftsfeld. Ob sie auch der Heilsbringer ist, ist eine andere Frage. Die Menschen sollten weiter kritisch hinterfragen, welche Folgen diese Entwicklung für sie haben wird.

Sehen Sie eine Chance für andere Weiterentwicklungen? 

Steyer: Stillstand gibt es nicht, das stimmt. Aber grundsätzlich sollte der Verkehr deutlich mehr auf die Schiene statt auf die Straße verlagert werden. Der Wahn des Straßenbaus geht immer weiter und muss mit viel Geld finanziert werden. Das belastet vor allem künftige Generationen.

Gibt es auch Profiteure? 

Steyer: Ja, klar. Die Investoren und Planer, die das Land entwickeln und beplanen können, verdienen viel Geld. Verlierer sind auf jeden Fall die Landwirte, sie können ihr Land nur einmal verkaufen, das war’s. Außerdem frage ich mich, wie weit das noch gehen soll mit den Gewerbegebieten. Gibt es einen Plan, gibt es eine Grenze, bis hierher und nicht weiter?

Worin bestehen die schlimmsten Folgen des A49-Lückenschlusses? 

Steyer: Lärm, Luftverschmutzung und Flächenverbrauch für Gewerbe und Lkw-Parkplätze habe ich schon genannt. Schlimm finde ich vor allem, dass man diese Probleme auf die Menschen entlang der bisher bestehenden A49 einfach so zurollen lässt.

Was heißt das? 

Steyer: Wenn die A49 an die A5 angeschlossen wird, gibt es immense Belastungen der Anlieger, überall, nicht nur in Edermünde. Doch die Menschen sind dann wieder in der Beweispflicht, wie in den vergangenen Jahren die Holzhäuser auch. Sie müssen nachweisen, wie stark sie belastet sind, langjährige Konflikte sind programmiert. Deshalb wenden wir Grüne uns mit einer Resolution an die Landes- und Bundespolitiker, schon heute die finanziellen Mittel zum Schutz der Bevölkerung bereitzustellen.

Aber sollte denn die A49 weiterhin im Niemandsland bei Neuental enden? 

Steyer: Nein, der Weiterbau bis und der Anschluss von Schwalmstadt an die Region Kassel sind ja sogar sinnvoll. Aber ich bin grundsätzlich gegen den Anschluss an die A5. Wir müssen vermeiden, dass der Schwerlastverkehr die A49 als Transitstrecke nutzt von Nord nach Süd und umgekehrt, um die Berge des Knüll auf der A7 zu vermeiden. Leider sind alle Alternativen für Ortsumgehungen entlang der B3 in den vergangenen Jahrzehnten ja außer Acht gelassen worden.

Was erwarten Sie in der jetzigen Situation von Ihrem grünen Verkehrsminister? 

Steyer: Er soll den Lückenschluss verzögern, so lange es geht. Jeder Tag ohne diesen Anschluss ist gut für die Menschen entlang der A49.

Quelle: HNA

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