Manfred Schaub im Interview über energieeffiziente Bürger im Stand-by-Modus

„Der Mensch ist träge“

Mit kleinen Veränderungen Großes bewirken: Die winzige LED-Lampe, die Manfred Schaub in der Hand hält, ist ein wahres Energiesparwunder. Foto: Schleichert

Wolfhagen. Das Klima ist gut: Die Stadt Wolfhagen wurde kürzlich zur energieeffizienten Stadt gekrönt – und will nun durchstarten. Doch wie energieeffizient sind die Wolfhager Bürger? Darüber sprach unsere Zeitung mit Manfred Schaub, Geschäftsführer der Energieagentur im Landkreis.

Herr Schaub, sind Sie ein Klima-Held?

Manfred Schaub: Nein. Wer hält Klimaschutz schon diszipliniert durch? Ich nicht. Ich fahre auch ganz gerne mal mit dem Auto anstatt mit dem Fahrrad - und ich besitze ein nicht gerade sparsames Modell: Einen älteren Volvo. Aber, zugegeben: Häufig lasse ich das Auto stehen und nehme das Fahrrad.

Was treibt Sie an?

Schaub: Meine Überzeugung. Die fossilen Energievorräte sind endlich - im Interesse der zukünftigen Generationen dürfen wir sie nicht tatenlos weiternutzen. Und: jede eingesparte oder durch heimische Energieträger erzeugte Kilowattstunde lässt weniger Geld aus der Region abfließen und stärkt dadurch die Wirtschaft vor Ort.

Ein wichtiges Signal haben Sie gemeinsam mit Anderen gesetzt: Wolfhagen ist energieeffiziente Stadt. Doch wie energieeffizient sind seine Bürger?

Schaub: In Punkto Energiesparen sind die Wolfhager zurzeit Durchschnitt. Und auch die Stadt erhielt keinen Preis für etwas, was sie schon ist - sondern für das Konzept von dem, was sie mal sein soll. Um die darin festgeschriebenen Ziele umzusetzen, erfordert es die Unterstützung der Bürger.

Die Wolfhager sollen ihre Gewohnheiten umstellen?

Schaub: Nicht schlagartig Die Wolfhager können und müssen jetzt nicht alle sofort Elektroauto fahren oder ihre Gebäude dämmen. Wir wollen nicht mit erhobenem Zeigefinger herumlaufen, sondern die Menschen begeistern: Sie sollen anfangen, über Klimaschutz nachzudenken, ihr Verhalten kritisch zu reflektieren.

Ihre Energieagentur will Denkanstöße geben und aufklären. Doch die Resonanz in der breiten Bevölkerung ist mau: Ihrem ersten Tag der Energie im Oktober blieben Besucher fern.

Schaub: Ein Grund ist, dass unser Angebot nach wie vor nicht überall bekannt ist.

Das kann doch nicht der alleinige Grund für chronisches Desinteresse sein.

Schaub: Die Resonanz der Bevölkerung hängt auch davon ab, für welche Veränderungen die Menschen offen sind. Unsere Solarberatungen und die energetische Bauberatungen werden von den Menschen sehr gut angenommen, insbesondere dann, wenn die Ölpreise mal wieder deutlich erhöht wurden oder es neue Förderprogramme gibt. Doch das Interesse an unseren Stromsparberatungen geht gegen Null.

Warum?

Schaub: Die Stromsparberatung berührt sehr stark das persönliche Wohn- und Lebensumfeld, da gibt es natürlich Hemmungen. Außerdem glauben viele, dass sie schon sehr sparsam sind und sehen schlicht keinen Bedarf für eine Beratung, obwohl nennenswertes Einsparpotenzial vorhanden ist: Muss die Waschmaschine wirklich angestellt werden, obwohl sie nicht voll ist? Stelle ich den Fernseher ganz aus statt ihn auf Stand-by laufen zu lassen? Der Mensch ist träge. Manchmal zu träge, um sein Verhalten umzustellen.

Lebt ihre Agentur vom schlechten Gewissen der Menschen?

Schaub: Nein, sie lebt von der Erkenntnis: Wer sich nicht mit dem bewussten Umgang mit Energie auseinandersetzt, schneidet sich letztlich ins eigene Fleisch. Und dies sollte uns nicht erst bei neuen starken Preiserhöhungen oder tatsächlichen Notlagen an Tankstellen und Steckdosen bewusst werden.

Von Pia Schleichert

Quelle: HNA

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