Ulrike Bukowski erlebte in Heßlar den Unfall mit – Nur knapp entkommen

„Der Bus kam auf mich zu“

Felsberg. „Er nahm Fahrt auf und kam auf mich zu. Dann hörte ich nur noch Scheppern, Krachen, Klirren.“ So hat Ulrike Bukowski den Unfall erlebt, bei dem ein Linienbus in ihr Haus krachte.

Die 62-Jährige beobachtete den Aufprall vom Fenster aus. Nur wenige Meter davon entfernt fuhr der Bus gegen die Mauer.

Lesen Sie auch

Linienbus fährt gegen Häuser: Acht Verletzte

Verkehrstrubel und Autohupen hatten vorher ihre Aufmerksamkeit erregt. Sie ging zum Fenster, um nachzuschauen. Die Autobahn 7 war gesperrt, der Verkehr wich über Heßlar aus. Ein Lkw hatte Mühe, um eine Kurve zu kommen, rangierte und löste einen Stau aus. Der Busfahrer wartete währenddessen an der Lindenstraße, auf die er eigentlich abbiegen wollte.

Kaum war der Lastwagen weg, setzte sich der Bus in Bewegung, beschreibt Ulrike Bukowski. Dann krachte der Bus in die Häuser.

Zunächst ließen sich die Türen des Busses nicht öffnen, schildert Bukowski die Sekunden nach dem Zusammenstoß. Ein Mann aus dem Dorf hat den Passagieren Anweisungen gegeben, wie sie sie doch aufkriegen. „Ich selbst war völlig kopflos.“

Auf dieses Fenster kam der Bus zu und verfehlte es es nur knapp: Ulrike Bukowski erlebte den Unfall aus nächster Nähe. Wie sehr ihr Haus dabei beschädigt wurde, weiß sie noch nicht. Sie hat es erst kürzlich geerbt. Fotos: Maier

Auch ihre Nachbarin Annemarie Krause stand wegen des Verkehrstrubels am Fenster, unmittelbar in der Nähe des Aufprallpunktes. „Ich konnte gar nicht schnell genug gucken, wie der Bus drin war“, beschreibt die Rentnerin den Unfall. „Ich sah das entsetzte Gesicht des Fahrers und wie die Kinder im Bus herumgeschleudert wurden“, beschreibt Krause. Sie selbst blieb unverletzt – erlitt aber einen Schock.

Die Schadenshöhe an den Häusern ist noch unklar, sagen die beiden Frauen. Ein Gutachter soll bald kommen und die Statik überprüfen. Bei Ulrike Bukowski ist ein Riss in der Mauer, der bereits vorher da war, größer geworden. Der Aufprall sei so stark gewesen, dass Dachziegel auf der gegenüberliegenden Seite heruntergefallen sind.

Bukowski wohnt eigentlich in Berlin. Sie hat das Haus von ihrer Mutter geerbt und ist nach Heßlar gekommen, um die Formalitäten zu klären. Am übernächsten Wochenende wollte sie schon wieder abreisen. „Ob das jetzt klappt, ist fraglich.“

Bei Annemarie Krause hat der Bus die Steine der Wand regelrecht reingedrückt. Im Keller muss es auch ganz schlimm aussehen, habe ihr Sohn ihr gesagt. Innen im Erdgeschoss geht ein Riss durch die Mauer. Eine Gipsplatte bedeckt die Innenseite der Wand. „Wer weiß, wie groß der Schaden dahinter ist?“ Durch die Wucht des Aufpralls seien Gläser aus den Regalen gefallen, sagt Annemarie Krause.

Ihr Haus ist über 200 Jahre alt. In den 1930er-Jahren wurde die Stelle, wo der Bus reingefahren ist, erneuert. Vorher war dort statt stabilen Steinen nur Fachwerk. Kaum auszumalen, wie hoch der aktuelle Schaden unter solchen Umständen gewesen wäre.

Von Eugen Maier

Quelle: HNA

Kommentare