HNA-Interview: Bürgermeister Jörg Müller über Arbeit im Parlament und eine erneute Kandidatur

„Der Streit ist echt der Hammer“

Jörg

Knüllwald. In der Gemeindevertretung in Knüllwald ging es in den vergangenen Sitzungen oft hoch her. Sogar die Auflösung der Gemeindevertretung wurde geprüft. Und es wurde mit mehreren Klagen gedroht. Wir sprachen mit Bürgermeister Jörg Müller darüber.

Herr Müller, die Gemeinde Knüllwald ist überschuldet und im Parlament brodelt es. Macht ihnen ihr Job noch Spaß?

Jörg Müller: Das Geschäft ist härter geworden. Nicht, weil es in der Gemeindevertretung mal kracht, sondern weil es an Geld mangelt. Aber mir macht die Arbeit noch immer Spaß.

Warum ist kein Geld mehr in der Kasse? Hat man in Knüllwald über die Verhältnisse gelebt?

Müller: Nein! Wir haben für Knüllwald das gemacht, was möglich war. Wir haben unsere Aufgaben erledigt und zudem etwas für die Infrastruktur getan. Wir haben auch immer deutlich und klar gesagt, dass wir am Ende der Kanalbauarbeiten Geld aufnehmen müssen. Mit den Arbeiten in Oberbeisheim in 2012 und 2013 werden die Kanalbauarbeiten abgeschlossen. Danach müssen wir damit beginnen, die Schulden abzubauen. Eigentlicher Grund ist, dass wir keine Zuschüsse mehr bekommen, sondern Darlehen des Landes aufnehmen müssen. Das Land Hessen lässt uns hier allein.

Für den Kanalbau gab es 7,2 Millionen Euro vom Land. Was ist mit dem Geld geschehen?

Müller: Wir haben es verbaut. Das Geld ist schon vor ein paar Jahren geflossen, und die Arbeiten am Kanal wurden nach und nach fertig gestellt und danach abgerechnet. Wir hatten also die Wahl, es anzulegen oder es zu verwenden, um andere Projekte zu finanzieren. Und dafür, das Geld auszugeben, hatten wir übrigens die Genehmigung des Landes. Dies haben auch andere Kommunen im Land Hessen sinnvollerweise getan.

Dennoch regt sich Kritik an diesem Vorgehen...

Müller: Das kann ich nicht nachvollziehen. Hätten wir das nicht gemacht, dann wäre es so gewesen, als hätten wir einen Kredit aufgenommen, ihn auf ein Sparbuch gelegt und zusätzlich einen neuen teureren Kredit aufgenommen, um andere Projekte damit zu finanzieren und unsere Aufgaben zu erledigen. Das wäre Unsinn. Außerdem gab es im Parlament dafür immer eine breite Zustimmung – bis jetzt.

Was wurde denn zum Beispiel mit dem Geld gemacht?

Müller: Kanalbau und in dem Zusammenhang weitere notwendige Arbeiten an der Wasserversorgung und den Straßen.

Also wurden keine Fehler gemacht?

Müller: Doch sicher, es wurden auch Fehler gemacht, aber nicht in der eben angesprochenen Sache. Wir sind nicht fehlerlos. Das wäre ja auch schlimm. In der Verwaltung arbeiten auch nur Menschen. Aber wir haben immer versucht, alles richtig zu machen.

Was für Fehler wurden denn in gemacht?

Müller: Wir haben zum Beispiel zu einer Ausschusssitzung nicht fristgerecht geladen. Aber auch das kann passieren.

Die Gemeindevertretung wollte eine Gemeindevertretrin wegen ihres Verhaltens rügen. Das wurde gerichtlich untersagt. War das ein Fehler?

Müller: Ich teile diese Rechtsauffassung nicht. Wenn jemand austeilen darf, dann muss man darauf auch antworten dürfen.

Ihnen wird vorgeworfen, dass sie eine Gemeindevertreterin genötigt haben sollen, einen Antrag zurückzuziehen.

Müller: Das ist nicht wahr. Dieser Stil enttäuscht mich. So etwas habe ich noch nie getan und es liegt mir auch fern. Wer mich kennt, der weiß das! Wir haben uns in der Gemeindevertretung schon oft gestritten, und es sind auch schon mal härtere Worte gefallen, aber so etwas wie jetzt haben ich in meinem ganzen Leben noch nicht erlebt. Da geht es nicht um die Sache. Das ist echt der Hammer. Aber mittlerweile regt es mich nicht mehr auf.

Woran liegt es, dass es im Parlament derzeit auch zwischenmenschlich härter zur Sache geht?

Müller: Woran es liegt, kann ich nicht mit Gewissheit sagen, vielleicht daran, dass im nächsten Jahr Bürgermeisterwahl ist. Es wäre aber gut, wenn wir endlich wieder normal arbeiten könnten. Es bleibt zwar nichts liegen, aber man hat das Gefühl, nicht voran zu kommen.

Stichwort Bürgermeisterwahl: Werden Sie nochmal antreten?

Müller: Ich werde es nochmal tun, wenn die Gesundheit mitspielt. Davon ist eine erneute Kandidatur stark abhängig. Wenn ich gesundheitlich fit bin, dann würde ich bedenkenlos ja zu einer erneuten Kandidatur sagen.

Von Maja Yüce

Quelle: HNA

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