Deutliche Verluste bei Wintergetreide - Schäden größer als gedacht

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Pflanzen zählen: Mit einem Zählrahmen lässt sich schnell die Anzahl vorhandener Pflanzen ermitteln. Für diesen Acker kann Pflanzenbauberater Frank Käufler (links) Landwirt Herbert Wicke keine Hoffnung mehr machen.  

Schwalm-Eder. Die Auswinterungsschäden bei Gerste und Weizen, die im Herbst gesät wurden, erweisen sich zunehmend als gravierender.

Noch vor zwei Wochen hatte es so ausgesehen, als läge der Schaden bei durchschnittlich 20 bis 25 Prozent. Jetzt liegt er allein beim Weizen bei 50 bis 70 Prozent - bis hin zum Totalausfall.

Landwirt Herbert Wicke aus Spangenberg-Mörshausen gehört zu denen, die es ganz schlimm getroffen hat. Seine Weizenfelder muss er komplett neu einsäen, und auch bei Gerste sieht es kaum besser aus. Lediglich ein Acker mit Triticale (Weizen-Roggen-Kreuzung) hat den Winter nahezu unbeschadet überstanden.

Sehr unterschiedlich sprießt die Geste auf einem dreieinhalb Hektar großen Feld bei Albshausen, wo Wicke Saatgut für den Eigenbedarf angebaut hat. Der Ertrag wird deutlich niedriger ausfallen. Die Folge: Er muss für die Herbstaussaat dazu kaufen.

Dazu kaufen, heißt es sicherlich auch nach der Getreideernte. Denn Sommergetreide bringt weniger Ertrag als die Sorten, die im Herbst als Wintergetreide in den Boden kamen. Doch genau wie seine Berufskollegen lamentiert der 58-jährige Mörshäuser nicht. Es muss eben neu gesät werden, um den Ausfall so gering wie möglich zu halten.

Während Landwirte in anderen Regionen des Schwalm-Eder-Kreises ihre neue Saat schon im Boden haben, warten andere noch auf Saatgut, das inzwischen zur Mangelware geworden ist - nicht zuletzt deshalb, weil landauf landab die Auswinterungsschäden in diesem Jahr besonders groß sind und weil bis vor kurzem unklar war, ob sich der eine oder andere Acker vielleicht doch noch erholen würde.

200 lebende Pflanzen pro Quadratmeter sollten es sein, erklärt Pflanzenbauberater Frank Käufler, den Wicke für die Entscheidung, neu zu säen oder nicht, hinzugezogen hat.

Ist es für Sommerweizen schon fast zu spät, können Gerste und Hafer noch bis Mitte April in den Boden. Die Sommergerste, die Herbert Wicke vor einer Woche gesät hat, spitzt schon fast durch die Ackerkrume.

Eigentlich wäre er momentan überwiegend damit beschäftigt, Rüben zu säen, Gülle zu fahren und einzuarbeiten. Nun muss aber auch das Sommergetreide schnellstens in den Boden.

Landregen wäre schön

Und es müsste regnen, einen leichten Landregen, der die Körner zum Keimen bringt und sie Wurzeln bilden lässt. Was Landwirte in der nächsten Zeit gar nicht gebrauchen können sind Trockenheit oder Wolkenbrüche. Auch der Mai sollte kühl und feucht sein getreu der Bauernweisheit „Ist der Mai kühl und nass, füllt er dem Bauern Scheun’ und Fass.“ (bmn)

Quelle: HNA

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