Konzept: Ehrenamt als Hilfe zur Selbsthilfe

Diakonisches Werk will Flüchtlingen helfen, sich ehrenamtlich einzusetzen

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Neue Aufgaben: (von links) Anja Henschke ist jetzt Koordinatorin im Möbelladen des Diakonischen Werkes und Antje Hartmann arbeitet als Flüchtlingssozialarbeiterin mit der Geschäftsführerin des Diakonischen Werkes Schwalm-Eder, Margret Artzt. 

Homberg. Normalerweise helfen Ehrenamtliche Flüchtlingen. Antje Hartmann will jetzt Flüchtlingen dabei helfen zu Ehrenamtlichen zu werden. Das ist die neue Aufgabe der Sozialarbeiterin.

„Es ist ein Experiment. Wir wissen noch nicht ob und wie gut es funktioniert“, sagt Margret Artzt, Geschäftsführerin des Diakonischen Werks Schwalm-Eder. Ganz genau könne man das, was Hartmann nun machen wird, noch nicht beschreiben. Flüchtlingssozialarbeit sei das Aufgabengebiet der neu geschaffenen Stelle. Bei vielen Angeboten fehle der Ansatz der Teilhabe, erklärt Artzt. Das wolle man ändern.

Die Aufgabe

„Dazu gehört die Gewinnung, Schulung und Begleitung ehrenamtlicher Tätigkeit von Flüchtlingen und Asylsuchenden“, sagt Artzt. Außerdem will Hartmann Ehrenamtsprojekte anregen, bei denen Flüchtlinge mitarbeiten können.

Das Ehrenamt

Es sei deutlich geworden, dass die meisten Flüchtlinge nicht nur Hilfe empfangen, sondern sich auch in der Gesellschaft einbringen wollen. „Sie sind dankbar und möchten den Menschen auch etwas zurückgeben“, sagt Hartmann. Oft fehle aber das Wissen darüber, wie das funktioniert. Gerade ehrenamtliches Engagement, wie es in Deutschland üblich ist, sei längst nicht in allen Ländern der Welt selbstverständlich.

Zugleich sei das Ehrenamt eine wichtige Säule der Gesellschaft, und wer sich einbringe, der integriere sich auch schneller, so Artzt. „Ehrenamt als Hilfe zur Selbsthilfe. Dadurch kann es gelingen, dass Flüchtlinge ihren Platz in der Gesellschaft wiederfinden.“

Die Projekte

Die Flüchtlinge seien selbst die Experten ihres Lebens, und sie könnten gut einschätzen, wie und wo sie sich einbringen können. Nachbarschaftshilfe sei so ein mögliches Projekt oder die Mitarbeit in gemeindlichen Bereichen, sagt Hartmann.

Noch klingt alles etwas vage und das ist es auch - darf es auch noch sein. Jetzt will die Sozialpädagogin erst einmal herausfinden, was möglich ist und Kontakte herstellen. Kontakte zu Flüchtlingen, zu ehrenamtlichen Helfern und zu Gemeinden, sie alle sind ihre Ansprechpartner.

Es gehe aber auch darum, den Menschen, die neu in der Region seien, deutlich zu machen, was nicht so einfach in die Tat umzusetzen ist, erklärt sie. Ein Beispiel sei die Beaufsichtigung von Kindern. Das sei oft nicht so unkompliziert umzusetzen, wie es teils in den jeweiligen Heimatländern der Flüchtlinge gewesen sei.

Die Finanzierung

Das Diakonische Werk ist Träger der neuen Stelle. Finanziert werde sie auch mit Unterstützung der evangelischen Landeskirche, und man hoffe auch auf Geld vom Landkreis. Die ersten Erfahrungen sind positiv. „Die Freude bei den Flüchtlingen ist groß, weil ihnen etwas zugetraut wird und sie nicht nur Hilfsobjekte bleiben, sondern aktiv mitgestalten können“, sagt die 49-Jährige. Hartmann ist zudem in der Flüchtlingsunterkunft in Niedenstein tätig.

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Quelle: HNA

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