„Die anderen sind einfach weitergefahren“

Nach Unfall in Kassel: Erst-Helfer Patrick Frank schildert Erlebnisse

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„Heute geht es schon wieder“: Dem Wolfhager Patrick Frank steckt der Schock noch etwas in den Knochen. Foto: Kostudis

Kassel/Wolfhagen. „Der Schock kam erst danach. Ich hatte wirklich Probleme, einzuschlafen", berichtet Patrick Frank. Man kann es dem jungen Mann nicht verdenken - der 19-jährige Wolfhager war einer der beiden Erst-Helfer, die bei dem schweren Verkehrsunfall am frühen Mittwochmorgen in Kassel den Opfern zu Hilfe eilten.

Gemeinsam mit seinem Freund Kevin Lenz (19) wollte Patrick Frank eigentlich nur in einem Schnellimbiss etwas zu essen besorgen. Auf dem Weg zurück nach Hause lief vor ihnen auf der Konrad-Adenauer-Straße in Kassel plötzlich ein Mann auf die Fahrbahn. „Er hat etwas gehumpelt, wir dachten zuerst, er ist betrunken“, erinnert sich der 19-Jährige. Wenige Meter weiter erblickten sie dann das zerstörte Auto an einem Baum. „Wir haben sofort angehalten, um zu helfen.“

Während sein Freund sich den Opfern widmete, wählte Frank den Notruf. „Ich war ein wenig überfordert, ich kenne mich ja in Kassel nicht so gut aus.“ Deswegen habe er einige Leute aus der Nachbarschaft, die hinzugekommen waren, auch gebeten, nochmals den Notdienst zu informieren.

Der Fahrer des Unfallwagens, der die beiden angehalten hatte, versuchte, die jungen Männer zu unterstützen. „Der Beifahrer war ohnmächtig, und einer, der hinten saß, hatte einen Splitter im Kopf und blutete stark. Er konnte sich aber noch halbwegs verständigen.“ Zunächst hätten die beiden Insassen auf der Rückbank gesagt, dass sie im Auto bleiben wollten. „Sie sagten, dass sie starke Schmerzen haben“, so Frank.

Dann jedoch bemerkten die Ersthelfer, dass das Auto in Brand geraten war. „Wir haben die Männer dann sofort aus dem Auto gezogen und ein paar Meter weit weggetragen.“ Kevin Lenz versuchte dann, den ohnmächtigen Beifahrer, der später im Krankenhaus verstarb, durch Mund-zu-Mund-Beatmung zu reanimieren.

Da Patrick Frank erst vor kurzem einen Erste-Hilfe-Kurs besucht hatte, wusste er, was zu tun war. „Aber ich war dennoch überfordert, die ganze Situation war ja wirklich extrem.“ Zudem ärgert sich der 19-Jährige über die mangelnde Hilfsbereitschaft anderer Verkehrsteilnehmer: „Wir haben auf der Straße gestanden und gewunken, aber die anderen Autos sind einfach weitergefahren.“

Gegen fünf Uhr war Abiturient Frank schließlich wieder zu Hause. Das Auto hatten die beiden in Kassel abgestellt und sich von Lenz’ in Ippinghausen wohnenden Vater abholen lassen. „Das war auch besser so.“

Von Anton Kostudis

Quelle: HNA

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