Naumburgerin Ann-Magrit Völkerding arbeitete in einem Kinderheim in Indien

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Mit Wenigem zufrieden: Ann-Magrit Völkerding aus Naumburg arbeitete acht Wochen in einem Kinderheim in Indien.

Naumburg/Mumbai. Es ist heiß, schwül, und manchmal regnet es den ganzen Tag wie aus Kübeln. So etwas wie Verkehrsregeln gibt es kaum. Stattdessen hupt man bei jeder Gelegenheit. Dazu kommen tausend verschiedene Farben, Gerüche und Menschen – so schildert Ann-Magrit Völkerding ihre Eindrücke.

Die 18-jährige Schülerin aus Naumburg arbeitete in den Sommerferien in Mumbai, der viert größten Stadt der Welt. Nun ist die letzte Woche angebrochen. Dank einer Sondergenehmigung ihrer Schule durfte sie eine Woche vor Ferienbeginn abreisen und muss erst eine Woche nach dem offiziellen Schulbeginn wieder anwesend sein. Am Freitag tritt sie die Heimreise nach Nordhessen an.

Mumbai ist eine Stadt mit 21 Millionen Menschen. 60 Prozent von ihnen leben in Slums. „Ein typischer Ferienort für Jugendliche ist das eher nicht, trotzdem sind diese Ferien die besten meines Lebens“, sagt Ann-Magrit Völkerding überzeugt. Seit ihre Patentante vor acht Jahren nach Indien gezogen sei, um dort in einem Kinderheim für Mädchen zu arbeiten, habe sie den Wunsch gehabt, sie dort zu besuchen. „Die meiste Zeit verbringe ich im Heim, helfe im Haushalt und mache mit den Mädchen Hausaufgaben“, erzählt sie. Doch nicht alles, was sie dort erlebt, sei einfach zu verdauen. „Es ist eine Sache, im Fernsehen einen Beitrag über Armut zu sehen, aber eine ganz andere, mit Kindern im Slum zu spielen. Sie strahlen, wenn man ihnen zum Beispiel eine Zahnbürste schenkt“, sagt Völkerding.

Für die Naumburgerin ist es hart, die Ungerechtigkeit zu sehen. Andererseits sei es gut, zu erfahren, dass es auch an scheinbar hoffnungslosen Orten so viel Freude und Zuneigung gibt. „Ich habe hier viele bewundernswerte Menschen kennengelernt, die es sich zur Lebensaufgabe gemacht haben, vernachlässigten Kindern zu helfen.“

Einer dieser Menschen sei Karan, ein 35-jähriger Inder, der selbst aus sehr armen Verhältnissen kommt. Er arbeite in einem Slum mit 30 Familien, bringe den Kindern spielerisch moralische Werte bei und kläre die Eltern über hygienische Grundsätze auf. Er sorge dafür, dass genug Essen da ist und die Kinder zur Schule gehen anstatt zu betteln. In einer Klasse sitzen durchschnittlich 80 Kinder. „Natürlich ist es schwer, unter solchen Umständen etwas zu lernen, aber was zählt, ist der Abschluss“, sagt Ann-Magrit Völkerding. „Ohne den sinken die Chancen drastisch, jemals aus dem Slum rauszukommen.“

Normalerweise verbringen die Kinder den größten Teil des Tages auf der Straße, in der Regenzeit bleiben sie in ihren winzigen Baracken. „Um ihnen andere Perspektiven aufzuzeigen, ist Karan gerade dabei, gemeinsam mit seiner Frau eine Vorschule zu eröffnen. Sie soll den Kindern die Möglichkeit geben, ungestört spielen und lernen zu können“, sagt die Nordhessin. Leider fehlt aber Geld für Einrichtung und Spielzeug. (ehu)

Quelle: HNA

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