Etliche Schlecker-Filialen im Kreis haben bereits geschlossen – Beschäftigte unsicher

„Die räumen alles weg“

Noch sind die Regale voll: Die Schlecker-Filiale in Ziegenhain. Foto: Auel.

Aus unseren Redaktionen

Schwalm-Eder. Das Ende erinnert an ein Kartenhaus, das zusammenfällt: Die Drogeriemärkte der insolventen Schlecker-Gruppe, die in den vergangenen Jahrzehnten überall im Landkreis eröffnet wurden, stehen vor dem Aus. Manche haben bereits zu – das Ende kam schneller, als von den Beschäftigten erwartet. Viele Kunden standen in den vergangenen Tagen vor geschlossenen Türen und leeren Regalen.

Anders sieht es bei der Schlecker-Filiale in Ziegenhain aus. Laut HNA-Informationen hat die Drogerie erst vor kurzem eine Lieferung neuer Waren bekommen. Das mögliche Aus für das Geschäft beunruhigt die Kunden. „Das wäre schade. Ich gehöre auch schon langsam zu den Alten und habe es nicht weit hierher“, sagt Erna Fenner, die nur knapp 200 Meter vom Schlecker-Markt entfernt wohnt.

Aber auch kritische Fragen tauchen auf. Kundin Andrea Krämer aus Trutzhain will wissen: „Wo ist das Loch, in dem das viele Geld der Kunden verschwunden ist?“

Geld von Kunden im Schlecker-Markt Neuental-Zimmersrode gibt es seit Anfang der Woche nicht mehr, denn dort gibt’s nichts mehr zu kaufen. Andrea Rüppel, die zwölf Jahre als Teilzeitkraft dort beschäftigt war, ist verunsichert. Was jetzt nach der Insolvenz wird, weiß sie nicht. Dass bereits Mitte Januar Schluss war, habe man ihnen ganz kurzfristig mitgeteilt. Andrea Rüppel weiß von etlichen weiteren Schließungen in jüngster Vergangenheit. Zum Beispiel gibt es keine Schleckermärkte mehr in Treysa, Wabern und Borken, nächste Woche soll Jesberg dicht machen.

Insgesamt verzeichnet die Homepage der Kette noch 21 existierende Märkte von Schlecker und der Tochter Ihr Platz im Landkreis Schwalm-Eder.

In Fritzlar gab es bis vor einigen Jahren noch einen kleineren Markt direkt am Marktplatz. Dieser wurde geschlossen, und Schlecker zog um: Im ehemaligen Getränkemarkt am Erfurter Ring versuchte der Drogeriekonzern es mit einem seiner XL-Märkte. Die Mitarbeiterinnen im neuen Geschäft erhielten, so wurde in der Stadt gemunkelt, wesentlich weniger Gehalt als die im alten Schlecker. Der XL-Markt hielt nur einige Monate durch, dann kam das Aus.

Eine Schlecker-Beschäftigte aus dem Kreisteil Melsungen meint, die Ursache für die Insolvenz zu kennen. Überall seien Märkte eröffnet worden, auch in kleinen Orten. „Das war die falsche Strategie“, sagt die Mitarbeiterin.

Jetzt würden offenbar erst einmal die Filialen geschlossen, die wirtschaftlich schlecht dastehen.

Meike und Lars Schlecker, die Kinder von Firmengründer Anton Schlecker, hatten das Unternehmen 2011 übernommen. „Sie räumen alles weg, was nicht rationell ist“, sagt die Mitarbeiterin aus dem Kreisteil Melsungen.

Die Regale könnten derzeit nicht wie gewohnt aufgefüllt wie früher. Das liege offenbar daran, dass Schlecker sein Lager im thüringischen Herda geschlossen hat. 110 Mitarbeiter waren dort im Dezember arbeitslos geworden. Die Waren würden jetzt von anderen Lagern angeliefert.

Quelle: HNA

Kommentare