Filmprojekt mit Pädagogen Reinhard Nolle soll Jugendlichen neue Perspektive geben

Diebe spielen ihr Leben

Kurz vor dem Bruch: Jugendliche Straftäter beim Dreh ihres Spielfilms. Foto: Schmitt

Schwalm-Eder. Früher waren sie Einbrecher, jetzt filmen sie. Und wenn die letzte Klappe fällt, dann beginnt für zehn Jugendliche aus Homberg hoffentlich ein neues Leben. Auf jeden Fall werden ihre Strafakten geschlossen.

Gemeinsam mit dem Pädagogen Reinhard Nolle und drei Studenten der Kasseler Universität drehen die straffällig gewordene Jugendliche, 17 bis 20 Jahre alt, einen Spielfilm. Das Ziel, mit dem Noll und sein Team angetreten sind, ist hoch gesteckt: Die jungen Männer sollen eine neue Lebensperspektive entwickeln.

Die gab es für sie bislang nicht. Ein zerrüttetes Elternhaus, häusliche Gewalt, keine Bindung in der Familie – all das ließ sie auf Einbruchstouren gehen. Es sei der Reiz des schnellen Geldes und der Anerkennung gewesen, sagt einer von ihnen. Doch damit soll nun Schluss sein. „Wir wollen zeigen, dass mehr in uns steckt“ – und das in einem 20-Minuten-Streifen.

Der Weg dorthin ist hart. Zwei Wochen lang wird täglich von 9 bis 19 Uhr gearbeitet. Gespräche und Diskussionen gehören dazu, in denen sich die Jugendlichen mit ihren Taten und ihrem Leben auseinander setzen, das Drehbuch schreiben, die Szenen einüben und abdrehen. Nur zweimal ist es erlaubt, 15 Minuten zu spät zu kommen. Wer sich nicht an die Regeln hält, fliegt raus.

All das haben die Jugendlichen akzeptiert. Die Maxime von Nolles Spielfilmpädagogik lautet: Nachdenken über sich selbst statt Arrest. Dazu zogen in Homberg Staatsanwaltschaft, Jugendgerichtshilfe, die Homberger Stadtteil-Agentur und der Internationale Bund an einem Strang.

Doch bevor die Kamera für die erste Filmszene eingeschaltet wurde, gab es lange Gespräche über die Straftaten, ihre Gefühle, Wünsche und Enttäuschungen. Zunächst hätten sie mit ihren Straftaten geprahlt, berichteten die drei Studenten. Das habe sich in kurzer Zeit geändert. „Wenn man täglich zwölf Stunden intensiv zusammenarbeitet, kann man eine Fassade nicht lange aufrecht erhalten. Die Lügen brechen zusammen“, beschreibt Nolle. Überzeugend ist außerdem das Ergebnis: Nolle verspricht etwas zu schaffen, das den Einsatz lohnt. Jeder sei am Ende irre stolz auf den Film, auf seine Rolle als Filmstar.

Beim Projekt in Homberg geht das Konzept auf. Auch nach der 15. Wiederholung einer Szene arbeiten die Jugendlichen daran, sie noch besser zu spielen. Der Film soll gut werden. Denn wer will sich schon vor anderen blamieren. Das nämlich ist alles andere als cool. Der Film aber schon

Von Rainer Schmitt

Quelle: HNA

Kommentare