Armin Beier gehörte zu den ersten Wehrdienstverweigerern in der Bundesrepublik

Zum Dienst nach Gasterfeld

Beim Einsatz in Jugoslawien wuchs man zusammen: Konrad Metz (links) , damals Kraftfahrzeugmeister beim DRK und Armin Beier vor den ehemaligen Schlafräumen der Ersatzdienstleistenden. Foto: Irene Habich

Wolfhagen. Die Sprüche waren damals die gleichen wie heute. „Du willst doch nicht etwa alten Leuten die Windeln wechseln“, musste sich Armin Beier anhören, als er sich 1963 entschloss, Zivildienst zu leisten. Ersatzdienst hieß es damals noch. Statt zur Bundeswehr zu gehen, arbeitete Beier zwölf Monate lang beim DRK in Wolfhagen. Er gehörte zum Dritten Jahrgang, der in Deutschland überhaupt vom Recht auf Kriegsdienstverweigerung Gebrauch machen konnte. Am kommenden Sonntag wird der Zivildienst 50 Jahre alt.

Beier wurde 1939 in Berlin geboren, mitten im Krieg. Er erinnert sich an die fallenden Bomben, an Beschuss, daran, dass die Familie nach Schlesien flüchten musste. Für ihn alles Gründe, niemals an einem Krieg teilnehmen zu wollen. Er verweigerte.

Bei der Anhörung vor der Bundeswehrkreisverwaltung berief er sich auf die gewaltfreie Lehre von Ghandi. Was er denn tun würde, wenn seine Freundin angegriffen werde, fragte das Komitee. „Es war einfacher, religiöse Gründe für die Verweigerung zu nennen“, erinnert sich der heute 71-Jährige. Erst in zweiter Instanz hatte er Erfolg und landete als Ersatzdienstleistender beim DRK, in der Hilfzugabteilung für Katastrophenschutz in Wolfhagen. Dort wartete er Einsatzfahrzeuge und erledigte Büroarbeiten.

Die Abteilung des DRK lag neben der Pommernkaserne der Bundeswehr, auf dem Gelände einer ehemaligen Munitionsfabrik in Wolfhagen Gasterfeld. Zwischen Rekruten und Ersatzdienstleistenden sei es da auch zu Reibereien gekommen, erinnert sich Konrad Metz. Er war damals Kraftfahrzeugmeister beim DRK, später leitete er die Abteilung. Auch sonst gab es einige Probleme: Viele Ersatzdienstleistende lehnten das Konzept von Wehrpflicht und Ersatzdienst komplett ab, sagt Metz. „Wir vom DRK waren aber mit dem Herzen dabei und wollten humanitäre Hilfe leisten.“

Erdbeben in Scopje

Zusammengewachsen sei alles, als das DRK 1963 mit den Wehrdienstverweigerern ins jugoslawische Scopje fuhr. Nach einem schweren Erdbeben schlug die Katastrophenschutzgruppe dort ihre Zelte auf und verpflegte pro Tag 10 000 obdachlos gewordene Menschen. Auch Beier war dabei, schälte Kartoffeln, schleppte Wassertanks. „Wir arbeiteten 20 Stunden am Tag“, erinnert er sich. Dabei habe er gesehen, welchen Wert die Arbeit als Ersatzdienstleistender haben könne.

Gesellschaftlich war der Dienst eher geächtet, viele Verweigerer bekamen wegen ihrer Haltung Probleme mit ihren Arbeitgebern. Dass Beier genauso wie sein Bruder verweigert hat, behinderte sogar die Beamtenlaufbahn seines Vaters.

Vor und nach dem Zivildienst hat Armin Beier bei der Sparkasse gearbeitet. Die Zeit beim DRK sei da eine Bereicherung gewesen, sagt Beier. Er ist bis heute Pazifist geblieben. „Wenn die Leute nur mehr miteinander reden würden, dann würden sie nicht mehr kämpfen“, glaubt er.

HINTERGRUND

Von Irene Habich

Quelle: HNA

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