Im Notfall kein Handyempfang: Gemeinden missbilligen Abbau der öffentlichen Telefone

Diese Zelle wird genutzt

Hallo: Lars Becker spricht in der englischen Telefonzelle am Bahnhof in Melsungen, dort ist telefonieren kostenlos. Foto: Rößler

Schwalm-Eder. Zumeist bekommt sie nur noch in Kriminalfilmen eine tragende Rolle: die Telefonzelle. Das Handy hat den gelben Glaskasten weitestgehend von den Straßen der Städte und Dörfer verdrängt – auch im Schwalm-Eder-Kreis. Gemeinden und Anwohner missbilligen, dass die Telekom die Fernsprecher abbaut. Ds Argument: Jederzeit sollte es möglich sein, einen Notruf abzusetzen.

Doch nicht überall ist es ohne Telefonzelle möglich, die Rettungskräfte zu alarmieren: „Nicht in allen Ortsteilen gibt es Empfang“, sagte Gilserbergs Bürgermeister Rainer Barth, der auch in der Feuerwehr aktiv ist. „Die meisten Notrufe kommen per Handy“, sagte der Telekom-Sprecher André Hofmann.

Derzeit stehen zwei der vier öffentlichen Telefone in Gilserberg vor dem Aus. Die Telekom möchte die Fernsprecher in den Ortsteilen Moischeid und Sebbeterode abbauen. Drei Euro Umsatz machte die Telekom dort im vergangenen Jahr. „Wird ein Standort nicht genutzt, besteht auch kein Bedarf“, so die Ansicht des Telekom-Sprechers.

Unterhielt die Telekom Mitte der 1990er-Jahre 130 000 Telefonzellen deutschlandweit, sind es aktuell noch nur 50 000 Stück. In Moischeid ist das Aus nun beschlossen, dort wird es zukünftig kein öffentliches Telefon mehr geben. In der Beratung des Ortsbeirats sagte Sabine Fischer, dass der Ort dafür schnelleres Internet bekommen sollte. Für sie ist das Argument: „Für Menschen, die hierher ziehen, ist es wichtig, dass es schnelles Internet und guten Handyempfang gibt“, sagte Sabine Fischer. Die Telekom sieht den Vorschlag nüchtern: für die Telefonzellen und die Internetanbindung seien verschiedene Abteilungen zuständig.

Auch in Melsungen sind fast alle Telefonzellen verschwunden, wie Martin Dohmann, Leiter des Bauamts, bestätigte. Doch eine besondere Zelle steht am Bahnhof. 1985 hatte der damalige Bürgermeister von Evesham/England im Namen des Städtepartnerschaftsvereins an Melsungen eine englische Telefonzelle übergeben. Das Telefonieren dort ist kostenlos, möglich macht dies ein Internetanbieter.

„Die Telefonzelle wird auf jeden Fall genutzt“, sagte Dohmann. Denn bei Schäden oder Vandalismus rufen die Melsunger immer bei der Stadt an und melden dies.

Von Claudia Schittelkopp

Quelle: HNA

Kommentare