Heinz Ullrich fertigt freche Skulpturen aus Altmetall

Dieser Mann liebt Schrott

Er schafft witzig-fröhliche Kunstwerke aus Altmetall: Künstler Heinz Ullrich aus Kassel stellt seine Skulpturen in der Alten Pfarrei in Niederurff aus. Man kann sie bis zum 3. Oktober samstags und sonntags von 14 bis 19 Uhr anschauen. Foto:  Brandau

Niederurff. Mit Heinz Ullrich kann man gut das Spiel „Ich sehe was, was du nicht siehst“ spielen. Darin ist der Kasseler ein wahrer Meister.

In einem alten verrosteten Spaten sieht er beispielsweise den Krieger, in den er das Gerät verwandeln kann. Oder erkennt, dass aus der verbeulten Milchkanne eine prima Palastwache werden könnte. Oder dass im dreckigen Sägeblatt ein witziger Dämon steckt.

„Ich hatte ein richtig gutes Leben.“

Heinz Ullrich

Der Betrachter sieht Dinge, die er ohne Heinz Ullrich nie gesehen hätte und die ihn sogar im besten Falle zum Lachen bringen. Denn die Annäherung an menschliche und tierische Körper und Formen ist eine fröhliche, eine freche Kunst, die der Kasseler da aus Altmetall fertigt.

Fröhlich-freche Kunst

Sie ist sogar so heiter, dass sie ihren Erschaffer jung und bei Laune hält. Heinz Ullrich ist 85 Jahre alt – und ein Mann, der Ruhe und Zufriedenheit ausstrahlt, der Kunst und Musik liebt. Der viel Zeit in seiner Werkstatt in Kassel-Kirchdithmold verbringt und so verrückte Sachen wie Türschlösser, Zimmermannsnägel, Ziegenglocken und Hanfkämme sammelt.

Dinge, die keiner mehr braucht, keiner mehr will und von denen alle glauben, dass sie ihren Dienst getan haben. Heinz Ullrich sieht das oft anders. Er greift nicht selten zielsicher zu einem verrosteten Bolzen und weiß, dass er ein schönes Auge für eine seiner Altmetallfiguren werden kann. Mit seinem Blick fürs Neue haucht der 85-Jährige den Dingen auf diese Art und feinem Witz ein zweites Leben ein.

Der ehemalige Professor für Pädagogik schmiedet oft in seiner Werkstatt aus den alten Fundstücken bezopfte Mädchen, dünne Krieger, kleine Bischöfe und pfiffige Schlosswächter. Aber nie mittwochs. Mittwochs spielt er Klavier für die Gäste im Kasseler Hospiz, die sich dort aufs Abschiednehmen und Sterben vorbereiten. „Ich hatte ein richtig gutes Leben“, sagt Heinz Ullrich. „Deshalb begleite ich nun die, die vor mir gehen, gerne musikalisch.“

Von Claudia Brandau

Quelle: HNA

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