Dingelstädter danken für Hilfe bei Kirchenrenovierung

Erinnerung an eine grenzenlose Hilfsaktion: Gastgeber und Gäste aus Dingelstädt nach dem Erntedank-Gottesdienst vor der Friedenskirche in Böddiger. Christen aus Felsberg und Böddiger halfen noch vor dem Mauerfall bei der Renovierung des fast baufälligen Gotteshauses in Dingelstädt. Foto: Schaake

Felsberg/Böddiger. Die Partnerschaft zwischen Evangelischen Christen aus Felsberg und Böddiger sowie Dingelstädt im Eichsfeld hat nach langer Unterbrechung neue Impulse bekommen.

„Es möge weitergehen. Die Tür ist offen, das Herz noch mehr - auf viele Jahre.” Mit diesen Worten hat Felsbergs Pfarrer Ernst Friedrich Schluckebier die Gäste aus Dingelstädt verabschiedet. Dingelstädts Pastorin Sabine Münchow sieht den „Beginn einer neuen alten Partnerschaft”.

Während des Erntedank-Gottesdienstes in der Friedenskirche Böddiger und der Begegnung im Schwester-Frieda-Kerl-Haus wurden viele Erinnerungen wach. Erinnerungen an eine seinerzeit einmalige Hilfsaktion über eine unmenschliche Grenze hinweg. Christen aus Felsberg und Böddiger halfen vor der Wende bei der Renovierung der baufälligen Kirche.

Vor genau 25 Jahren war das 124 Jahre zuvor fertiggestellte Gotteshaus zum zweiten Mal feierlich eingeweiht worden. Und auch heute noch sagen die Christen aus Dingelstädt: „Wir haben den Felsbergern viel zu verdanken.”

Die Dingelstädter Pastorin Sabine Münchow dankte im Gottesdienst für die „Früchte Ihres Herzens: Eine Frucht des Herzens ist und bleibt das Dach der Kirche in Dingelstädt.”

Für die Renovierung finanzierten die Christen aus Felsberg und Böddiger das gesamte Material vom Kupferkabel bis zum Innenputz. Und brachten es - bis auf die Dachziegeln - auch noch persönlich nach Dingelstädt. Fuhre für Fuhre. Über den „Kleinen Grenzverkehr” unter strengsten Kontrollen. Aber mit dem „Segen” der evangelischen Kirchenprovinz Sachsen und der DDR-Regierung.

Bereits 1986 hatten die Felsberger ein neues Dach gestiftet - angestoßen durch eine Initiative von Kurt Regenbogen. Das alte Schieferdach war total marode. „Die echten aus Oberbayern”, wie die roten Ziegeln heißen, erregten damals Aufsehen im DDR-Staat, sie wirkten wie eine Provokation. Heinz Jerchel (69) und Josef Hufnagl (71), langjährige Dingelstädter Kirchenvorstände, erinnern sich: „Der Bürgermeister hat damals gesagt, rote Ziegeln aus dem Westen für die Kirche - das kann nicht sein.” Und weil man einen „Aufruhr” bei der Maikundgebung befürchtet habe, sei angeordnet worden, die vor der Kirche stehenden, verpackten Ziegel wegzuräumen. Dazu kam es aber nicht, sie wurden mit Planen abgedeckt. Jerchel und Hufnagl sind sich einig: „Ohne die Hilfe aus Felsberg und Böddiger gäbe es unsere Kirche gar nicht mehr.”

Von Manfred Schaake

Quelle: HNA

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