HNA lud in die Kulturhalle

Lesertreff zum Aus der Geburtshilfe: Wolfhager werden nicht aufgeben

Wolfhagen. Das Bild in der Wolfhager Kulturhalle erinnerte stark an die bisherigen Protestaktionen des Aktionsbündnisses: Transparente und Schilder an den Wänden und der „Geburtshilfe-Song“ von Pfarrer Wolfgang Hanske bildeten den stimmungsvollen Auftakt zu einem emotionsgeladenen HNA-Lesertreff.

Aktualisiert um 23.40 Uhr

Natürlich im Fokus: die Frage, welche Chancen gibt es für eine mögliche Wiederbelebung der Geburtshilfe in Wolfhagen? 350 Besucher sorgten nicht nur für einen passenden Rahmen des emotionalen Themas, sondern auch für einen lebhaften Austausch von Argumenten der Beteiligten. Nach der Begrüßung durch HNA-Redakteurin Antje Thon und Redaktionsleiter Norbert Müller richtete sich die erste Frage an den Mann, der erwartungsgemäß im Mittelpunkt des Abends stand: GNH-Chef Dr. Gerhard Sontheimer.

Auf die Frage, ob er den Weiterbetrieb der Geburtshilfe wolle, sagte er: „Im Prinzip ja“, was, wegen der Einschränkung, für ersten Unmut im Publikum sorgte. Sontheimer blieb sich und seiner Argumentation treu, dass die in 2013 deutlich verschärften Leitlinien wesentliche Gründe für die Schließung der Geburtshilfe gewesen seien. Wie oft es zu solch einem Haftungsfall bisher an der Kreisklinik gekommen sei, beantwortete Belegarzt Dr. Werner Prinz unter lautem Beifall: „In meinen 30 Jahren gab es keinen derartigen Fall.“

Im Bezug auf die Leitlinien sagte Jürgen Hildenbeutel: „Die viel zitierten Leitlinien sind eine Empfehlung. Kein Gericht würde sich auf die Leitlinien beziehen, dazu gibt es einschlägige Urteile des BGH.“ Landrat Uwe Schmidt sagte, dass er erst am 9. Dezember von der geplanten Schließung erfahren habe.

Eine neue Idee brachte Sabine Scherer ins Spiel: „Warum machen wir aus den viel zitierten Leitlinien nicht ein Qualitätsmerkmal für unsere Geburtsstation und geben zur Kenntnis, dass dies an anderen Geburtsstationen nicht der Fall ist?“ Welche konkrete Lösung Landrat Schmidt sich vorstellt, wollte HNA-Redaktionsleiter Norbert Müller wissen. Schmidt sagte, dass er bereit wäre, einen Antrag im Kreistag zu stellen, 150 000 Euro als Zuschuss zu geben – tosender Applaus. Sollten Stadt Wolfhagen und die GNH ebenfalls bereit sein, mit Geld den Erhalt zu unterstützen, nehme er „gerne die Fahne in die Hand.“

Klares Signal Auf eine konkrete Höhe der finanziellen Beteiligung wollte sich Bürgermeister Reinhard Schaake nicht festlegen, wertete die Aussagen der Beteiligten aber als klares Signal. Sontheimer sagte dazu, dass er lediglich einen derartigen Antrag im GNH-Aufsichtsrat stellen werde, wenn er eine Chance auf eine Mehrheit sehe. Daraufhin ergriff Bürgermeister Schaake sichtlich emotional die Initiative und sagte zum GNH-Chef: „Wir wollen, dass sie diesen Antrag stellen.“

Lesertreff zum Aus der Geburtshilfe: Wolfhager werden nicht aufgeben

Dr. Sontheimer sagte, dass er die Informationen in die Gremien weitergebe und die Chancen auf den Weiterbetrieb auf „50 Prozent“ einschätze. Mehr Mut machten die Aussagen zur Chance des Weiterbetriebes von Dr. Prinz (80 Prozent), Landrat Schmidt (70 Prozent).

Von Nicolai Ulbrich

Quelle: HNA

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