Armut ist ein Teufelskreis

Diskussionrunde mit Bundestags- und Landtagskandidaten

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Wiebke Reich, Dierk Glitzenhirn, Dr. Edgar Franke, Matthias Wettlaufer, Hermann Häusling, Detlef Jacob, Markus Opitz, Heidemarie Scheuch-Paschkewitz, Lutz Baumann, Regine Müller, Dekan Christian Wachter 

Schwalm-Eder. Im Einladen des Diakonischen Werks Schwalm-Eder finden Menschen, die von Armut betroffen sind, die Homberger Tafel, einen Second-Hand-Laden, in dem für wenig Geld Kleidung und Alltagsgegenstände angeboten werden.

Ein besonderer Ort also, um über das Thema Armut zu sprechen. Das Diakonische Werk Schwalm-Eder hatte Kandidaten der Bundestags- und Landtagswahl aus dem Schwalm-Eder-Kreis zu einer Podiumsdiskussion eingeladen, die von Pfarrer Dierk Glitzenhirn geleitet wurde.

Um zu zeigen, was Armut bedeutet und welche Kreise sie ziehen kann, führten Petra Bigge und Roland Götze ein Rollenspiel auf.

Scham bei Betroffenen

Kein Geld, kein Auto, kein Job. Befindet man sich einmal in diesem Teufelskreis, ist es schwer in die Gesellschaft zurückzufinden. Freizeitaktivitäten bleiben meist auf der Strecke, der Konsum ist deutlich eingeschränkt und die Scham über die eigene Situation lässt viele von Armut Betroffene vereinsamen - so die Kernaussagen des kleinen Zwiegesprächs.

Mehr Steuergerechtigkeit sei eine Voraussetzung, um das Problem in den Griff zu bekommen, meinte der SPD-Bundestagskandidat Dr. Edgar Franke. Man stehe allerdings zunächst vor der gesellschaftlichen Herausforderung, die Finanzmärkte zu ordnen. Am Ausbau des Niedriglohnsektors müsse dringend etwas geändert werden, und die Festlegung eines Mindestlohnes sei unumgänglich.

Noch weiter gingen die Forderungen von Lutz Baumann und Heidemarie Scheuch-Paschkewitz (beide Die Linke). Man müsse alle Schwarzgeldkonten heranziehen, dann sei genügend Geld vorhanden, um Hilfe zu leisten. Anders könne man Armut nicht bekämpfen. "Wenn die oberen Verdiener mehr abgeben würden, dann hätten sie immer noch genug, aber wir hätten die Armut im Alter oder zum Beispiel bei Kinderreichtum beseitigt", sagte Scheuch-Paschkewitz.

Aus Sicht der FDP-Landtagskandidatin Wiebke Reich gibt es keine Patentrezepte. "Wenn wir wüssten, wie man das Problem angehen muss, dann hätten wir es ja nicht", sagte die Liberale. Sie hält es aber zunächst für wichtig, die Gesellschaft für das Problem zu sensibilisieren. Wenn man die Augen vor der Armut verschließe, dann könne man nichts bewirken.

Arbeit im ländlichen Raum

Als wichtiges Instrument gegen Armut vorzugehen, sieht Detlef Jacob (Freie Wähler) den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Man dürfe nicht anfangen, Menschen auszugrenzen, weil sie weniger Geld haben. Die Städte und Gemeinden müssten attraktiver werden für Arbeitgeber, damit auch im ländlichen Raum genügend Arbeit vorhanden sei. Dazu gehöre dann auch eine passende Kinderbetreuung, meinte sein FW-Kollege Markus Opitz.

Eine große Rolle spiele das Ehrenamt, warf Matthias Wettlaufer (CDU) mehrmals in die Diskussion ein. Der Staat könne nicht alles leisten, daher müsse man das Ehrenamt stärken.

Hermann Häusling (Die Grünen) sprach sich für die Investition in Bildung und Ausbildung der Kinder aus, um den Kreislauf von Armut aufzubrechen. Wer gut auf den Arbeitsplatz vorbereitet sei, habe auch gute Chancen eine Arbeit zu finden.

Das war auch die Meinung von Regina Müller (SPD). Qualifikation bei den Jungen Menschen und Arbeitsplätze müsse man schaffen, um auch der Landflucht entgegenzuwirken, die die Armut auf dem Lande fördere.

Im Anschluss an die Diskussion wurde im Einladen von Dekan Christian Wachter (Schwalmstadt) eine Wanderausstellung zum Thema Armut eröffnet. Titel: "Der Bettler".

Zeigten zur Einstimmung ein Rollenspiel: Petra Bigge und Roland Götze.

Von Christl Eberlein

Quelle: HNA

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