Begeistertes Publikum

Kabarett in der Kulturhalle: Distel machte klare Ansage

Begeisterten beim Auftritt in Ziegenhain: Das Kabarett die Distel (von links) Fred Symann, Tom Auffarth, Michael Nitzel, Dagmar Jäger und Stefan Martin Müller. Foto: Haaß

Ziegenhain. Politisches Kabarett vom Feinsten genossen am Freitagabend 150 Menschen in der Ziegenhainer Kulturhalle.

Das Kabarett-Theater Distel aus Berlin war auf Initiative des Kulturvereins Schwalmstadt mit dem Programm „Klare Ansage: Total versteuert - Die Robin Hoods vom Finanzamt" zu Gast in Nordhessen.

Dass eine Distel immer schmerzhafte Stacheln hat, bewiesen Dagmar Jaeger, Stefan Martin Müller und Michael Nitzel mit Spielfreude und Witz. Musikalisch begleitet wurden das Ensemble von Fred Symann und Tom Auffarth.

Die zum Himmel stinkende Steuerungerechtigkeit in Deutschland erfordere eine klare Ansage. Und aus diesem Grund nahmen drei Steuerbeamte von Finanzamt Berlin Mitte Tiergarten die Besucher in der Kulturhalle für 90 Minuten zu freiwilligen Geiseln. Es galt, ein Zeichen zu setzen. „Die Große Koalition hat die Hoffnung auf ein neues soziales und gerechtes Steuerrecht enttäuscht. Jetzt ist Widerstand angesagt“, erklärten die von Dagmar Jäger und Michael Nitzel gespielten Steuerfahnder.

Über die Art des Widerstands war man sich zunächst uneins. Weder der von Nitzel favorisierte Busenprotest in der Tradition der Femen, noch ein Hungerstreik konnte überzeugen. „Bummelstreik geht auch nicht, wir sind Beamte und per se im Bummelstreik“, stellte Jäger lapidar fest. Es blieb nur nur die Geiselnahme des Saalpublikums.

„Keine Gefechte während der Still- und Fütterungszeit.“

Das 90-minütige Programm arbeitete sich an bundesdeutschen Politikbaustellen ab. Von der familiengerechten Bundeswehrreform: „Keine Gefechte während der Still- und Fütterungszeit und während der Sendung mit der Maus“, bis zum NSA Skandal, „Wir wissen Sachen von Ihnen, die wollen Sie selber nicht wissen“, gab es einen Rundumschlag gegen Politiker, Geheimdienste, Großindustrie

Wiederkehrendes Thema war der Steuerwahnsinn: Steuersparmodelle, die nur den Reichen nützen und Steuer-CDs aus der Schweiz wurden zielsicher auf die Schippe genommen. Zur kreativen Nutzung der Umsatzsteuer benötige man zum Beispiel nur ein paar Millionen Handys, die man zwischen Briefkastenfirmen hin und herschiebt. 15 Milliarden gehen dem Staat dabei jährlich durch die Lappen, so Dagmar Jäger.

Das Distel-Ensemble riss den Schleier staatlicher Entscheidung herunter und machte den Unsinn sichtbar. Fazit der Berliner Kabarettisten: „Der Wahnsinn hat Methode! Mischen sie sich ein und machen sie den Verantwortlichen eine Ansage!“

Die Zuschauer waren von dem Mix aus Wort-Kabarett, Spielszenen, schillernden Figuren, eingängigen Liedern und Slapstickeinlagen begeistert und bedankten sich mit lang anhaltendem Applaus. Nach einer Zugabe und der obligatorischen Ahlen Wurst endete ein gelungener Abend.

Von Matthias Haaß

Quelle: HNA

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