DLRG schlägt Alarm: Nur jedes zweite Kind kann schwimmen

Wolfhager Land. Jedes zweite Kind im Altkreis kann nach der vierten Klasse nicht richtig schwimmen. Bereits im Jahr 2010 deckte dies eine Forsa-Studie im Auftrag der DLRG auf. Verändert hat sich aber seitdem nichts.

Von Nicolai Ulbrich

Hauptursache sind laut DLRG-Pressesprecher Martin Janssen zu wenig Hallenbäder. 20 Prozent aller Grundschulen hätten keinen Zugang mehr zu Hallenbädern und könnten deshalb auch keinen Schwimmunterricht anbieten. Man gehe davon aus, dass diese Zahl sogar noch steigen wird.

Besonders im ländlichen Raum sei das Problem ausgeprägt. Dies bestätigt auch Klaus-Dieter Reitenberger von der DLRG Breuna: „Im Großen und Ganzen ist die Situation schlecht, und zwar im gesamten Altkreis. Viele Kinder können nicht oder nicht richtig schwimmen - seit der Studie im Jahr 2010 hat sich nichts zum Positiven verändert.“

Laut Reitenberger sei Breuna im Wolfhager Land die positive Ausnahme aufgrund der Märchenlandtherme. Dadurch sei es möglich, den Breunaer Kindern regelmäßig Schwimmkurse anzubieten. Davon profitiere natürlich auch die Grundschule.

Dies sei in den anderen Städten und Gemeinden im Altkreis nicht so. In der Nachbargemeinde Volkmarsen etwa müssten die Kinder nach Bad Arolsen, um dort schwimmen zu können beziehungsweise es zu erlernen. Darin sieht der Kreissprecher Harald Kühlborn auch die größte Schwierigkeit. Durch die lange Fahrzeit von Ippinghausen zum nächsten Hallenbad gibt es dort kein Schwimmangebot an der Grundschule. In der Vergangenheit sei es auch nicht möglich gewesen, den Bad Emstaler Grundschülern Schwimmunterricht anzubieten, da man keine Zeiten im Thermalbad bekam.

Für die DLRG resultiert aus der Situation ein existenzielles Problem: „Wenn wir keine Schwimmkurse mehr anbieten können, laufen uns die Mitglieder weg,“ sagt Pressesprecher Janssen. Einige Ortsverbände hätten deshalb schon aufgeben müssen.

Hintergrund:

Der DLRG-Ortsverband Breuna beteiligt sich bereits seit Jahren an einem bundesweiten Kindergartenprojekt. Dabei bekommt der Nachwuchs die wichtigsten Baderegeln spielerisch erklärt.

Einen neuen Weg hingegen beschritt der Ortsverband kürzlich, als man erstmals bei zwei dritten Klassen der Elbetalschule in Naumburg zu Gast war.

Auf Initiative der Schulleitung wurde das Kindergartenprojekt in leicht abgewandelter Form auch bei den Schülern in Naumburg praktiziert. Die Premiere sei ein Erfolg gewesen, sagt Reitenberger. Er hofft, dass auch noch weitere Grundschulen aus dem Wolfhager Land dem Beispiel folgen werden. (uli)

Quelle: HNA

Kommentare