Wincherode punktet mit Gemeinschaft und Beschaulichkeit

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Auf zum Blick über die Gartenzäune von Wincherode: Von links Besucher Burkhard Wagener, Irmgard Schwalm (stellvertretende Vorsitzende des Kirchenvorstandes), Ortsvorsteherin Nicole Mattheis, Walter Itzenhäuser, Georg Hedderich und der stellvertretende Ortsvorsteher Nausis-Wincherode, Helmut Knoch.

Neukirchen. Ein Verein, keine Handvoll Straßen, ein halbes Dutzend Kinder und Jugendliche, aber eine lebendige Dorfgemeinschaft und viele Lebensqualität: Das ist Wincherode. Wer Beschaulichkeit und ein gepflegtes Ambiente schätzt, für den ist der zu Neukirchen gehörende Ort genau richtig.

So, wie für fünf, sechs Familien, die in den vergangenen Jahren ihr neues Eigenheim hier errichteten, ein Haus ist im Bau. Das alte Forsthaus von 1905 am Wald-Festplatz unter alten Eichen ist ein gefragtes Objekt, es wird derzeit via Internet versteigert.

Die Menschen, die für immer Wincheröder sein wollen, vermissen weder die Post noch das Gasthaus - beide haben längst geschlossen. Einen Laden gab es nie, wie sollte der sich auch halten bei 66 Einwohnern. Selbst die Gemeinschafts-Gefrieranlage war vor einigen Jahren nicht mehr gefragt, doch die Wincheröder wussten Rat: Sie bauten sich 2003/2004 dort in Eigenleistung einen behaglichen Gemeinschaftsraum, der reihum sauber gehalten wird. Dort trifft man sich gern zum Kartenspielen und zu Geburtstagsfeiern. Im Sommer ist der Grillplatz vor der Tür ein lauschiger Platz.

Eigene Einsatzabteilung

Die Pokale auf dem Bord über der Theke erzählen von den Erfolgen der örtlichen Feuerwehr, nach wie vor gibt es eine eigene Einsatzabteilung, berichtet der langjährige, ehemalige Wehrführer Georg Hedderich. 1983 errang man sogar den Stadtpokal. Stolze 34 Mitglieder zählt der Feuerwehrverein.

Nebenan auf dem Friedhof läutet um 8 Uhr und um 18 Uhr die Glocke, die sich Wincherode 2009 zur 700-Jahrfeier geschenkt hat. Läutet die Glocke aber um 9 Uhr, so weiß jeder, dass einer aus ihrer Mitte gestorben ist.

Mitten im Ort, sorgfältig mit einem hohen Staketenzaun eingefriedet, liegt der Feuerlöschteich. Das Algenproblem des stehenden Gewässers, dessen Quelle vor langer Zeit versiegte, löste Helmut Knoch ganz einfach: er setzte Karpfen ein. Die vermehren sich seither munter, denn der Knoch, Vize-Ortsvorsteher Nausis-Wincherode, füttert sie beinahe täglich. Wenn der Teich zur Säuberung geleert wird, finden sich immer dankbare Abnehmer für die Fische.

Ein Vollerwerbshof

In der Reihe landwirtschaftlicher Höfe wird noch einer im Vollerwerb geführt, aber alle Anwesen und Gärten zeigen sich auch im Spätherbst wohl gepflegt. Leerstand ist in Wincherode kein Thema.

Stolz auf den Nachwuchs: Helmut Knoch und Enkel Maximilian (4).

Alle drei Jahre lädt das Dorf zu seinem bekannten Waldfest ein, dann ist buchstäblich das ganze Dorf auf den Beinen und die Wincheröderinnen stellen ihre bekannte Tortenbackkunst unter Beweis. Ganz oben auf der Gästeliste stehen die Nachbarn aus dem nur zwei Kilometer entfernten Nausis. Dort besuchen die Wincheröder den Gottesdienst, mit Nausis fühlt man sich verschwistert und gehört zum selben Kirchspiel.

An zwei Seiten wird Wincherode, das Heidedorf oder auch „Herob“ (Heidehof), von Wald begrenzt. Auf der Anhöhe an der Straße Richtung Immichenhain aber bietet sich ein opulenter Blick Richtung Knüll und Rimberg. Bei sehr guter Sicht zeigt sich sogar die Burg Herzberg. Der Name bedeutet laut Chronik übrigens „Kleinrode/Wenigenrode“.

Blick über den Gartenzaun in Wincherode

Blick über den Gartenzaun in Wincherode

Zweimal hat sich das Dörfchen einst erfolgreich am Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ beteiligt. Heute hat der Besucher das Gefühl, Wincherode braucht nicht mehr schöner zu werden, es sollte einfach so bleiben, wie es ist.

Von Anne Quehl

- Das HNA-Ortsporträt entstand am Dienstag in der Reihe "Blick über den Gartenzaun"

Quelle: HNA

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