Neue Ausstellung in der Kunsthalle Willingshausen zeigt zeitgenössische Positionen zum ländlichen Raum

Kunsthalle Willingshausen: Dorf im Spiegel der Stipendiaten

Stießen auf die Ausstellung an: Bernhard Balkenhol, Bettina Riehl, Heinrich Vesper, Dieter Werkmeister, Kati Werkmeister, Verena Waldmüller und Anja Köhne (von links). Foto: Rose

Willingshausen. Zwei Welten sind in den vergangenen 18 Jahren das eine oder andere Mal aufeinander geprallt: Als junge Künstler, meist aus der Großstadt, für mehrere Monate in Europas ältester Malerkolonie Willingshausen leben und arbeiten durften.

Möglich machte das ein Stipendium – in diesem Jahr wird das Projekt volljährig. Die Kunsthalle Willingshausen zeigt dazu eine Ausstellung. Der Titel: Willingshausen im Spiegel – zeitgenössische Positionen zum ländlichen Raum. Kuratiert wurde die Schau von der Leiterin der Kunsthalle Kati Werkmeister.

Bürgermeister Heinrich Vesper lobte die „klugen und beherzten Männer und Frauen“ der Sparkasse, die für das Stipendium gekämpft hätten. Nur dank der Stipendiaten könne es gelingen, die wertvolle Historie Willingshausens nicht als solche zu belassen. Die Künstlerkolonie entwickele sich weiter, die neue Kunsthalle spanne den Bogen von der Geschichte in die Moderne. Auch Dieter Werkmeister, der das Stipendium von Seiten des Kreises betreut, freute sich über die „vorläufige Retrospektive“. Die Zwischenbilanz mache Lust auf hoffentlich noch viele junge Künstler, die künftig ihre Spuren in Willingshausen hinterließen.

Für beide Seiten fruchtbar

Dass die Konfrontation zweier Welten – die der Landbevölkerung und die junger Kreativer – nicht nur interessante Reibungsflächen geboten hätten, beschrieb Kati Werkmeister in ihrer Einführung. Die Auseinandersetzung sei für beide Seiten fruchtbar gewesen und hätte zur Horizonterweiterung beigetragen, bilanzierte die Kunsthistorikerin. Denn gänzlich unberührt sei keiner der Künstler vom Ort und den Menschen geblieben.

Dabei sei die Herangehensweise sehr unterschiedlich gewesen. Die Stipendiaten bedienten sich der Fülle der Medien, sie zeichneten, fotografierten, malten, drehten Videos, schnitten Audio-Beiträge. Thematisch ist die Ausstellung in Teilbereiche gegliedert: Die Werke beschäftigen sich mit Märchen, der Tradition der Malerkolonie, Tracht und Tradition sowie Land und Leuten.

Daniela Witzel lasse im „Zugriff auf den Weltensprung“ Märchenelemente in ihre eigene Welt einfließen. Die mythisch angelehnte Darstellung beschreibe die Entstehung der Welt. Ein wolfsähnliches Wesen lenke eine Frau, aus der alles entspringe. Die bisweilen brutale Darstellung spanne den Bogen zu Grimms Märchen – von denen manche auch grausam seien. Stipendiatin Elke Mark beschäftigte sich spielerisch mit der Tracht. Sie trennte Trachtenteile auf – „beraubte sie damit ihrer Funktion, sie anzuziehen“ – und setzte sie zu amorphen Skulpturen zusammen.

Bis auf eines sind alle Werke, die in der Kunsthalle zu sehen sind, Eigentum der Gemeinde Willingshausen.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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