Großropperhausen: Ein Dorf stellt sich gegen Rechtsextreme

Großropperhausen. Das Dorf Großropperhausen macht mobil gegen rechte Strömungen vor der eigenen Haustüre. Der Grund: Experten sehen bei rechtsextremen Vorkommnissen einen direkten Zusammenhang mit dem Frielendorfer Ortsteil.

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Mehrfach fiel der Ort in der Vergangenheit in Verbindung mit Vorfällen aus der rechten Szene auf. Nicht nur im Jugendclub mischten Mitglieder der rechtsradikalen Freien-Kräften-Schwalm-Eder mit, der Jugendraum diente zudem Rechten als Treffpunkt - auch für ortsfremde Rechtsextreme.

2006 verbot die Polizei ein in Großropperhausen geplantes Skinhead-Konzert. Mehrfach musste der Jugendraum geschlossen werden. Allerdings: „Das Problem ist nicht im Jugendclub entstanden, dort ist es sichtbar geworden“, erklärte Stephan Bürger vom Jugendbildungswerk und Kenner der rechtsextremen Szene im Landkreis.

Hintergrund

Als „etwas Besonderes“ wertet Christoph Vogel vom Mobilen Beratungs Team die Initiative der Großropperhäuser. Ein vorgegebenes Konzept gibt es nach Angaben von Stephan Bürger für das Dorf nicht. Ideen sollen im Ort entstehen und entwickelt werden. Ortsvorsteher Dieter Schaller nennt den nächste Schritt: Ideenschmiede soll eine Art Runder Tisch sein, an dem sich Vertreter aus örtlichen Vereinen und Gremien zusammensetzen werden. Im Fokus sollte immer „das Miteinander umgehen“ stehen, empfiehlt Bürger. Das könnte beispielsweise bei einem Kulturfest auf dem Kunst- und Werkhof geschehen, aber auch in Seminaren im Sportverein oder bei der Feuerwehr.

Unterstützt von der Initiative des Landkreises „Gewalt geht nicht“ und dem Mobilen Beratungsteam Hessen (MBT) wollen sich Großropperhäuser gegen rechte Tendenzen in ihrem Ort wehren. Rechter Musik, Neonazi-Symbolen und rechtsradikalem Verhalten soll in Großropperhausen künftig etwas entgegengesetzt werden. Experte Christoph Vogel vom Beratungsteam und Frielendorfs Bürgermeister Birger Fey nennen es einen „Demokratisierungsprozess“: Konkret wollen Großropperhäuser damit Prozesse gegen rechtsextreme Strömungen in ihrem Dorf anstoßen.

Ein erster Schritt sind Informations- und Diskussionsveranstaltungen, um den Ist-Zustand sichtbar zu machen und „eine gemeinsame Offenheit zu finden, sich dem Problem öffentlich zu stellen“, sagte Fey. Etwas Vergleichbares gibt es laut Bürger aktuell im Landkreis nicht.

Ein Zeichen ist bereits gesetzt. Der Jugendraum ist wieder geöffnet. Den Jugendlichen stehen erwachsene Paten zur Seite.

Von Sylke Grede

Quelle: HNA

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