Nach alter Tradition begraben

Kirmes in Elbenberg: Im Dorf steppte der Strohbär

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Keine Kirmes ohne Ungeheuer: Der Strohbär zog am Montag mit den Kirmesburschen durch das Dorf und trieb sein Unwesen.

Elbenberg. Mit zupacken und festhalten ist Martin Grede bestens vertraut. Denn er ist Fußballtorwart im Seniorenkader des TSV Elbenberg. Doch um seine Aufgabe am Montagnachmittag war Martin Grede nicht zu beneiden.

Als Führer des diesjährigen Kirmesbären, Symbolfigur der Elbenberger Dorfkirmes, oblag ihm nämlich, während des Festumzuges der Kirmesburschen das in Stroh gewickelte Untier an der kurzen Leine zu halten.

Beim langen Marsch durch das Ober- und Unterdorf versuchte der Bär nämlich immer wieder auszubrechen, um die am Straßenrand stehenden Zuschauer zu erschrecken, oder in den anhaltenden Autos Zuflucht zu finden. Unterstützung beim Bändigungsversuch des Bären fand Grede im Kirmespolizisten Heiko Heerdt.

Elbe-Heringe

Und wenn gar nichts mehr half, dann lockten Luis Gonsior, Steffen Meister und Dennis Albrecht das Strohungetüm mit den an langen Stangen hängenden Elbe-Heringen zurück zum Zug. Die Fische kündigen nach altem Brauch das Ende der Kirmes an.

Beim Umzug, einem der Höhepunkte des traditionellen Dorffestes im Naumburger Stadtteil, mussten die zwölf Kirmesburschen und -mädchen unter Leitung der Kirmesväter Johannes Knatz und Patrick Albrecht nach viertägiger Feierwut noch einmal all ihre Kräfte mobilisieren.

Leichenschmaus

Denn von Haus zu Haus marschierten sie, um Eier, Speck und Würste zu schnorren. Oder eine kleine Spende bar auf die Hand. Zum Dank bekam jeder Spender ein Gläschen voll Schnaps serviert. Die eingesammelten Lebensmittel wurden am Abend im Gemeinschaftshaus Flachsrose für den Leichenschmaus verwendet.

Da hieß es nämlich Abschied nehmen von der Kirmes. Sie wurde zu Grabe getragen. Dazu verbrannten die Kirmesburschen nicht nur auf einer Wiese gegenüber der Flachsrose das Strohkostüm des Bären, sondern dabei wurde auch die noch verbliebene einzige volle Kirmesschnapsflasche verbuddelt. Die Besucher der Trauerfeier wurden für ihr Kommen mit Eierbrot und Freibier belohnt, zudem konnten sie die Kirmesfahne ersteigern.

Ständchenspielen im Dorf

Begonnen hatte die Elbenberger Dorfkirmes am Donnerstagabend mit dem Antrinken. Am Freitag setzte man in der Flachsrose das Motto „Bei uns wird‘s laut“ während der großen Party um. Am Samstag war Ständchenspielen im Dorf angesagt, am Abend sorgte die Band Enjoy für Partystimmung.

Ganz andere Klänge gab es am Sonntag. Nach Kirmesgottesdienst, Frühschoppen, Mittagessen aus der Feldküche, Kinderkirmes, Kaffee und Kuchen sorgte beim Dorfabend Blasmusik für die musikalische Stimmung.

Von Reinhard Michl

Quelle: HNA

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