In Schlierbach liegt das Glasfaserkabel direkt an der Haustür – Start im kommenden Jahr

Ein Dorf auf der Überholspur

Aufbruch ins Glasfaserzeitalter: Stefan Keim und Bürgermeister Kai Knöpper mit einem Leerrohr, wie es in Schlierbach verlegt wurde. Foto: Schmitt

Schlierbach. „Schnell, schneller, Schlierbach“, sagt Bürgermeister Kai Knöpper und lächelt. Dazu hat er guten Grund: Ab dem kommenden Jahr surfen die Schlierbacher mit modernster Technik und Höchstgeschwindigkeit durch das weltweite Netz dank Glasfaserkabel. Einzigartig im Landkreis dabei: Die Millimeter dünne Glasfaser liegt an der Haustür.

Den Sprung auf die Überholspur der Datenautobahn möglich machte die Zusammenarbeit der Gemeinde und Stefan Keim, der seit einigen Jahren das Richtfunknetz für eine schnelle T-DSL-Verbindung betreut. Keim hatte die Idee, im ganzen Dorf Leerrohre für Glasfaserkabel zu verlegen.

Glasfaser bis zur Haustür

Kostengünstig und technisch einfach zu lösen war dies wegen der Kanalarbeiten in allen Dorfstraßen. „Wenn die Straßen ohnedies offen sind, warum sollte wir nicht gleich die Rohre verlegen“, kommentiert Knöpper. Das Signal für den ultraschnellen Internetzugang kommt über das Glasfaserkabel der Bahn, deren Trasse oberhalb des Dorfes verläuft. Für den Hausanschluss sind nur noch einige Geräte nötig, um das Signal umzusetzen.

Soweit die Idee. Die Umsetzung verlief nahezu genauso rasant, wie der künftige Breitbandanschluss sein wird. Damit sich Bau und Betrieb des Netzes rechneten, mussten sich die Schlierbacher bereit erklären, einen Anschluss zu kaufen.

Während einer Bürgerversammlung unterschrieben über 50 Haushalte einen Vertrag. Inzwischen sind es 67 von 88 Schlierbacher Haushalte, die einen schnellen Zugang ins Internet haben möchten.

Dann ging es los mit dem 270 000-Euro-Glasfaser-Projekt. Damit sich die Kosten für die Verlegung der Ringleitung und die über 1200 Meter langen Gräben im Rahmen hielten, packten die Schlierbacher mit an, rückten mit Schaufel, Bagger und Traktor an, um die Verlegearbeiten voran zu treiben. Dazu kam ein Bautrupp, den die Firma Keim stellte.

Ausbau jederzeit möglich

Flugs waren die Rohre in einen 60 Zentimeter tiefen Graben und die Anschlüsse bis zu den Häusern verlegt. Dabei sei das Netz so ausgelegt, dass es jeder Zeit erweitert werden kann, sagen Keim und Knöpper. Weitgehend fertig sind auch die Übergabestellen und Knotenpunkte im Dorf und an der Bahnstrecke. Nun warten die Schlierbacher, dass das Signal von der Bahn ins Dorf kommt. Das soll Mitte kommenden Jahres soweit sein.

Dann können die Schlierbacher mit 50 Megabit und mehr auf Tour durch’s weltweite Netz gehen, telefonieren und das Fernsehprogramm empfangen. Die Kosten halten sich in Grenzen. Einmalig werden für den Anschluss an das Schlierbacher Hochgeschwindigkeitsnetz 300 Euro fällig. Im Monat sind es dann 50 Euro. „Etwas mehr als in Städten“, bedauert Keim.

Von Rainer Schmitt

Quelle: HNA

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