Heinrich Steinbrecher (60) und Hans-Joachim Holzapfel (76) aus Schönau sind begeisterte Modellbauer

Modelleisenbahn: Ein Dorf wächst Zug um Zug

Konstrukteure im Maßstab 1:87: Heinrich Steinbrecher (links) und Hans Joachim Holzapfel an der sechseinhalb Quadratmeter großen Modelleisenbahn-Anlage, unten eine Draufsicht. Fotos: Rose

Schönau. Heinrich Steinbrecher (60) und Hans-Joachim Holzapfel (76) sind begeisterte Modellbauer. Sie wohnen im beschaulichen Gilserberger Ortsteil Schönau: Mindestens genauso idyllisch geht es auch in Mariannental zu, dem sechseinhalb Quadratmeter großen Ort, den sie um ihre Modelleisenbahn herum gebaut haben.

Seit sieben Jahren wächst das Mariannental in Steinbrechers Bastelzimmer. Mittelpunkt des Dorfes mit Kirche, Friedhof und Campingplatz ist jedoch der Bahnhof.

Schönau: Modelleisenbahn - Ein Dorf wächst Zug um Zug

Der 60-jährige Malermeister im Vorruhestand hat sich mit der Anlage im Maßstab 1: 87 einen Jugendtraum erfüllt. Holzapfel, pensionierter Elektriker, interessiert sich schon seit den 1960er-Jahren für Modellbau. Nach und nach ist Mariannental - benannt nach Steinbrechers Ehefrau - zu einem schmucken, lebhaften Ort geworden. „Mir geht es nicht um das Spielen mit der Eisenbahn, mir geht es ums Basteln“, sagt Steinbrecher.

Die Besonderheiten der Anlage stecken im wahrsten Sinne des Wortes im Detail. Denn während viele Modellbauer Zubehör wie Häuser und Bäume hinzu kaufen, konstruiert Steinbrecher vieles selbst. Birken fertigt der 60-Jährige etwa aus Elektrokabeln, Milchkannen entstanden aus zerlegten Feuerzeugen, Fässer aus Pfeifenfiltern, Salatköpfe aus Alufolie und Radieschensamen. „Zubehör aus allen möglichen Materialien nachzubauen, darin liegt für mich der Reiz“, erläutert Steinbrecher.

40 Häuser, 420 Figuren

Für die Technik der sechs laufenden Züge auf der gängigen Modellbahn-Baugröße H-Null ist Holzapfel zuständig; er war Strippenzieher und Erbauer des Schaltpults. „Aber wenn der Fahrdienstleiter schläft, schepperts auch hier“, erklärt er. Die Anlage gehört zur so genannten Epoche drei, die zeitlich die Bundesbahn von 1945 bis in die 1970er-Jahre abbildet. Verlegt hat Steinbrecher bislang zwölf Meter Gleis. Auf denen bewegen sich 21 Lokomotiven, 70 Personenwagen und bis zu 170 Güterwagen. Zum Ort gehören um die 40 Häuser, um die sich etwa 420 Figuren tummeln.

Zubehör wird umgemodelt

Zubehör kaufen die Schönauer überwiegend auf Börsen. „Wer nichts bauen kann, braucht gar nicht erst anzufangen“, sagt der 60-Jährige. Und Holzapfel fügt hinzu: „Eine Geldanlage ist so eine Anlage nicht.“ Die meisten Zubehörteile landen unter Steinbrechers Lupe: „Ich hatte zum Beispiel Militärfahrzeuge ersteigert, die mir farblich nicht gefielen. Die habe ich zerlegt und umgespritzt“, erklärt er. Überhaupt macht es den beiden Männern Freude, sich in niedliche Details zu verlieren. Jedem Betrieb in Mariannental hat Steinbrecher markante Namen gegeben. „Das sind die der Leute, die zu dem Modell etwas beigetragen haben“, erläutert der Schönauer.

Fertig sei man übrigens nie. Und Mariannental soll schon bald größer werden. Gerade verhandelt Steinbrecher noch mit seiner Frau, denn ein Schrank muss weichen. Aber wer kann bei einem Ort, benannt nach einem selbst, schon Nein sagen.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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