1000-Jahrfeier in Obergrenzebach: Staatsarchiv kippt Jubiläum

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Obergrenzebach heute: Pfingsten 2015 wollten die Obergrenzebacher das 1000-jährige Bestehen ihres Dorfes feiern. Das geht nicht, sagt jetzt das Hessische Staatsarchiv. Eine urkundliche Ersterwähnung gab es erst vor 870 Jahren.

Obergrenzebach. Für eine solche Verjüngungskur würde mancher was geben - im Falle Obergrenzebachs sind es gleich Jahrzehnte. 950 Jahre plus 50 Jahre ergibt für das Dörfchen zwischen Schwalm und Knüll 875 Jahre. 

Auf diese Formel lassen sich unterschiedliche historische Bewertungen des Hessischen Staatsarchivs bringen. Die Konsequenz: Die Planungen für die ursprünglich in drei Jahren anstehende 1000-Jahrfeier werden erstmal zu den Akten gelegt.

Festzug 1965: Die Obergrenzebacher feierten ein ganzes Wochenende lang ihren Dorfgeburtstag.

Lothar Steinbrecher zählt zum für die 1000-Jahrfeier gegründeten Festausschuss. Er bringt das Kuriosum auf den Punkt: 1965 feierten Obergrenzebacher das 950-jährige Bestehen ihres Dorfes, deren erwachsene Kinder im Jahre 2017 nun das 875-jährige.

Eigentlich stand die 950-Jahrfeier im Jahre 1965 auf sicheren Beinen. Das Staatsarchiv in Marburg bescheinigte auf Anfrage des damaligen Pfarrers eine Ersterwähnung für das Jahr 1015. Basis für diese Einschätzung bildete die Biografie eines Mönchs. Darin wurde ein Grincenbach erwähnt, allerdings ohne Nennung einer Jahreszahl. Im Zusammenhang mit anderen Fakten in dieser Biografie entschieden sich die Historiker die Erwähnung des Ortes um das Jahr 1015 anzusiedeln. Eine mit starken Unsicherheiten behaftete Datierung urteilt das Staatsarchiv heute.

Festausschuss 2012: von links Klaus Aulenbacher, Lothar Steinbrecher und Gerhard März mit Gestaltungsideen für ein Logo.

„Wir sind keine bösartigen Jubiläumskiller“, erklärt Dr.Wolfhard Vahl vom Staatsarchiv auf Anfrage der HNA. Zwar könne eine Ansiedlung an dieser Stelle durchaus älter sein. Aber eine urkundliche Ersterwähnung gab es erst im Jahre 1142. „Mag das 1965 noch als Grundlage für ein Ortsjubiläum für vertretbar gehalten worden sein, genügt es heute bei weitem nicht mehr mehr den wissenschaftlichen Anforderungen“, lautet das Fazit des Marburger Experten.

Wie geht es jetzt weiter in Obergrenzebach? Ein Festausschuss sah sich bereits als als Ideenschmiede, der Termin war schon im Kalender eingetragen, im Internet warb das Dorf für seine 1000 Jahre, eine Chronik sollte auf den Weg gebracht werden. Die Meinungen sind geteilt, erzählt Gerhard März vom Festausschuss. Viele seien der Ansicht „Jetzt erst recht, gefeiert wird trotzdem“: Ein interner Festakt in abgespeckter Form in drei Jahren und zwei Jahre später der 875. Dorfgeburtstag. Zunächst gibt Obergrenzebach eine neue Devise aus: 950 plus 50. www.1000jahreobergrenzebach.de

Von Sylke Grede

Quelle: HNA

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