Archiv Böddiger hat alte Flurkarte sichern lassen – Neuer Materialraum im Haus der Familien

Dorfgeschichte, ganz planvoll

Alte Strukturen: Die Katasterkarte ist im Original 2 x 1,80 Meter groß. Hier ein Ausschnitt, der die Ortslage mit der Ems zeigt.

Böddiger. Sie ist groß wie eine Tischdecke, kunstvoll beschriftet und hat altersgemäße Falten: Die amtliche Flurkarte aus dem Jahr 1889 ist das neueste und zugleich das ältestes Sammelstück des Dorf-Archivs Böddiger.

Zehn Frauen und Männer aus dem Felsberger Stadtteil, angeführt von dem ausgebildeten Historiker Frank Fulda-Lengen, treffen sich seit gut zwei Jahren regelmäßig und tragen akribisch zusammen, was an Fotos, Urkunden und Dokumenten der Zeitgeschichte auffindbar ist.

Mit professionellem Anspruch werden die Funde gesichtet, eingescannt, inventarisiert und eingelagert. Die Sammlung hat bereits einen beachtlichen Umfang.

Im Haus der Familien, dem früheren Kindergarten hat die Gruppe nun einen eigenen Magazin-Raum erhalten. Ausgestattet wurde er mit gespendeten Möbeln.

Auch sonst sind die Dorf-Historiker auf die Unterstützung der Einwohner angewiesen. Spenden und der Erlös des Brunnenfestes trugen dazu bei, die alte Flurkarte von einem Restaurator sichern zu lassen. Sie ist auf Seidenpapier gezeichnet, dem der Zahn der Zeit stark zugesetzt hat.

Flurbereinigung

Im späten 19. Jahrhundert habe es ein Flurbereinigungsverfahren gegeben, in dessen Verlauf auch diese Karte entstanden sei, berichtet Frank Fulda-Lengen. „Historisch ist sie keine Sensation, aber für das Dorf von großem Wert“, fügt er hinzu. Bisher lagerte sie im Felsberger Stadtarchiv. Doch die Stadt selbst hätte das Geld nicht aufbringen können, um das Dokument zumindest für die Nachwelt zu erhalten.

Am Samstag, 23. Juli, von 12 bis 18 Uhr soll das Haus der Familien mit einem Tag der offenen Tür vorgestellt werden. Es wird unter anderem vom Tageselternverein sowie von einer Gymnastikgruppe genutzt.

Auch das Dorf-Archiv wird bei dieser Gelegenheit präsentiert. Die Flurkarte kann dort allerdings nicht gezeigt werden. Die Gefahr, dass sie beschädigt werden könnte, ist zu groß. Eindrucksvoll sind aber auch andere Stücke der Sammlung, wie etwa die Fotoalben des verstorbenen Lehrers Hans Eichel, die den Grundstock des Archivs bilden.

Mit großem Fleiß haben die Frauen und Männer viele weitere Zeugnisse des gesellschaftlichen Lebens zusammengetragen, beispielsweise Zeitungsausschnitte, alte Lehrverträge, Gesellenbriefe, Trauurkunden und Geldscheine. Sie treffen sich regelmäßig im ehemaligen Feuerwehrgerätehaus.

Zwei Mitglieder der Gruppe haben damit begonnen, ein Hauskataster anzulegen. Dafür gehen sie durch den Ort und fotografieren die Gebäude und ihre Bewohner. Das Material soll in einem Buch zusammengetragen werden. Gearbeitet wird auch an Stammbäumen von Familien. „Wir versuchen die Verknüpfungen zu dokumentieren“, sagt Fulda-Lengen. Friedel Regenbogen widmet sich ehrenamtlich, aber mit großem Engagement der Arbeit im Felsberger Stadtarchiv. Drei Stunden täglich ist sie dort tätig.

Alte Schätze, die vielleicht noch irgendwo unbeachtet lagern, werden als Leihgabe oder auch dauerhaft gerne angenommen. Wichtig sind der Archiv-Gruppe auch die Geschichten hinter der Geschichte. Für die Arbeit mit den Fotos ist es beispielsweise von großem Wert, wenn die Namen von abgebildeten Personen benannt werden können. Kontakt: Dorf-Archiv Böddiger, Tel. 05662/408407, E-Mail: archiv@felsberg.de

Quelle: HNA

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