Menschen und Erfolge: Anerkennung für Niederlistinger Gemeinschaftsprojekt bei Bundeswettbewerb

Dorfhühner bringen Ruhm

Glückliche Hühner, glückliche Halter: Die Niederlistinger Gemeinschaftshühner brachten der Dorfinitiative - hier (von links) Claudia Fahrensohn, Steffi Weinert und Frauke Schmiedehausen - eine Ehrung in Berlin ein. Foto: Binienda-Beer

Niederlistingen. Die Niederlistinger Dorfhühner genießen Popularität bis in die Bundeshauptstadt. In Berlin ist das beispielhafte Projekt der Dorfinitiative Niederlistingen (wir berichteten) jetzt prämiert worden. Im Wettbewerb „Menschen und Erfolge - Aktiv für ländliche Infrastruktur“, den das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung gemeinsam mit dem Deutschen Landkreistag sowie dem Städte- und Gemeindebund ausgelobt hatte, brachten die 90 Gemeinschaftshühner der Dorfinitiative Anerkennung und einen Geldpreis von 500 Euro ein. Der soll, da ist sich das so genannte Hühnerteam einig, demnächst in weitere Verbesserungen an der Stallanlage investiert werden.

„Nachdenklich macht es schon, wenn Hühnerhaltung im Dorf heute als preiswürdig gilt.“

Steffi Weinert

Zur Erinnerung: Vor fast genau einem Jahr schaffte die Dorfinitiative Niederlistingen 80 junge Legehennen an, um zum einen eine wohnortnahe Versorgung mit frischen Eiern und später auch mit Hühnerfleisch sicherzustellen.

Zum anderen wollen die Niederlistinger der industrialisierten Nutztierhaltung gegensteuern und dabei ein Beispiel liefern für eine artgerechte Haltung mit der Wiederbelebung des Kontaktes zwischen Mensch und Tier. Bei der Wiederherrichtung des lange verwaisten Stalles hatte der Heimat- und Geschichtsverein der Dorfinitiative wertvolle Unterstützung geleistet. Über 40 Hühnerpaten, in der Regel Familien, halten gemeinschaftlich im Stall von Altbäuerin Auguste Heidl und auf der angrenzenden Obstwiese inzwischen 90 Dorfhennen samt Hahn.

Die Nachfrage ist enorm. Ein halbes Dutzend Interessierte, auch aus Nachbarorten, stehen nach Angaben von Hobbylandwirtin Steffi Weinert, Mitinitiatorin und fachliche Leiterin des Projektes, auf der Warteliste.

Für die Eigenversorgung

Durchschnittlich 60 Eier von glücklichen, gesund ernährten Hühnern können täglich gesammelt und in der alten Milchkammer, die heute als Lager- und Verkaufsraum dient, deponiert werden. Für die Eigenversorgung der Niederlistinger und das Wohlergehen des Federviehs sorgt im abwechselnden Stalldienst das Hühnerteam, dem neben Steffi Weinert auch Carsten Schwarz, Frauke Schmiedehausen, Claudia Fahrensohn und Manuela Ebert angehören. Inzwischen wird sogar darüber nachgedacht, auch Gemeinschaftsgänse anzuschaffen.

Nach einem Hinweis aus dem Dorf auf den bundesweiten Wettbewerb „Menschen und Erfolge“, der lokales bürgerschaftliches Engagement zur Stärkung der Lebensqualität im ländlichen Raum würdigt, hatte sich die Dorfinitiative im Januar in Berlin beworben. „Das ist einen Versuch wert“, dachten die Eigenversorger und staunten mächtig, als kürzlich in Niederlistingen die Einladung in die Bundeshauptstadt eintrudelte. Steffi Weinert und Claudia Fahrensohn vertraten die Dorfinitiative bei der Preisverleihung, die am Rande einer Tagung zu Aktivitäten im ländlichen Raum stattfand. Bei aller Freude über den großen Erfolg des Projektes sieht Weinert die Anerkennung auch kritisch. „Nachdenklich macht es schon, wenn Hühnerhaltung im Dorf heute als preiswürdig gilt“, sagt sie.

Vom bundesweiten Bekanntheitsgrad der Gemeinschaftshühner erhofft sich die Dorfinitiative einen Impuls. Weinert: „Wir möchten ein Beispiel liefern, dass so etwas funktioniert, und andere zum Nachmachen ermutigen, damit artgerechte Hühnerhaltung im Dorf irgendwann einmal wieder völlig normal ist.“ Kontakt/Infos: Steffi Weinert, 05676/92 00 30

Von Dorina Binienda-Beer

Quelle: HNA

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