Dorfrundgang in Grebenau: Hochwasser und Ortsbild bereiten Sorgen

Die älteste Bewohnerin: Ursula Ubl (85) vor der Grebenauer Kirche.

Guxhagen. Wer an einem gewöhnlichen Wochentag durch den Guxhagener Ortsteil Grebenau schlendert, erlebt idyllische Ruhe. Aber die Bewohner können auch richtig feiern.

In dem 300-Seelen-Örtchen steigt einmal im Jahr eine richtig große Sause, bei der an zwei Abenden jeweils 500 Leute in der Scheune mit dem blauen Ziegenbock schunkeln. „Die Scheunenkirmes ist unsere größte Veranstaltung“, sagt Ortsvorsteher Klaus Döring. Stolz sind die Grebenauer aber nicht nur auf ihre Kirmes.

Feuerwehr, Schützenhaus

„Die Feuerwehr und das Schützenhaus sind unser ganzer Stolz“, sagt Döring. 1995 wurde der Saal eingeweiht. Früher war in dem Haus an der Fuldatalstraße die Schule untergrebracht, erzählt Dieter Zimmermann, Ureinwohner von Grebenau. „1951 bis 1959 bin ich dort in die Schule gegangen.“ Weil 1963 nur noch 20 Schüler die Einrichtung besuchten, wurde die Schule aufgelöst. Im Gegensatz zu anderen Gemeinden sei die Jugendfeuerwehr gut aufgestellt. „Hier wird viel von den Ehrenamtlichen getan. Da können wir wirklich froh sein“, sagt Zimmermann.

Zusammenhalt

Während die Arbeit innerhalb der Feuerwehr gut funktioniere, sei das Vereinsleben und die Gemeinschaft im Ort insgesamt nicht mehr vergleichbar mit früher, erzählt Zimmermann. Der Fußballverein sei völlig überaltert, der große Fußballplatz an der Fulda, den die Mitglieder 1979 in Eigenleistung hergerichtet hätten, liege überwiegend brach. „Früher waren hier Turniere mit bis zu 400 Zuschauern“, sagt Döring. Auch die Schutzhütte am Sportplatz sei überwiegend unbenutzt. „Es gibt kein Wasser und keinen Strom, deshalb mietet es niemand.“ Eine Stromleitung zu legen, koste um die 12 000 Euro.

Die Menschen

Der Fußballverein sei zwar überaltert, aber die Alterstruktur in Grebenau sei insgesamt sehr gemischt, so Döring. 44 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren leben im Ort. Die älteste Bewohnerin ist mit 85 Jahren Ursula Ubl. Bei unserem Besuch in Grebenau dreht sie mit ihrem Rollator, den sie selbst Mercedes nennt, eine Runde um die Kirche. „Neben der Kirche war mein Elternhaus.“ Mit ihrem Mann lebte sie 30 Jahre in Kassel, später zog sie zurück. „Hier ist es einfach schön. Man kann mit jedem schnuddeln.“

Sorgen

Seit 2014 hat Grebenau eine neue Fuldabrücke. Während der Bauarbeiten sei aber eine Hochwasserausgleichsfläche zugeschüttet worden, erzählt Werner Hruby. „Überall wird der Hochwasserschutz erhöht, nur hier macht man ihn weg.“ Der Landkreis habe auf die Nachfrage der Bewohner noch nicht reagiert.

Sorgen machen sich die Grebenauer auch um ihr Ortsbild. Viele große Fachwerkhäuser seien nur von ein oder zwei Personen bewohnt. „Irgendwann kümmert sich da niemand mehr drum“, sagt Zimmermann.

Von Eiern und alten Glocken

Grebenau birgt einige Geheimnisse. Zum Beispiel beherbergt Günter Ubl in seinem Heim eine selbst gebaute Ostereier-Graviermaschine. In den Computer tippt man ein, was auf dem Ei stehen soll, und schon setzt sich die Maschine in Gang.

Die Kirche in Grebenau hat zwei Glocken, die eine wird 2018 500 Jahre alt. Im Pfarrhaus wohnt schon seit 1973 kein Pfarrer mehr. Seit Ende des vergangenen Jahres lebt dort eine Flüchtlingsfamilie.

Wenn jeder Metzger geschlossen hat, dann kann man sich am 24-Stunden-Wurstautomat vom Fleischer Hildebrand bedienen. Gegen Geldeinwurf gibt es Ahle Wurscht, Fleischsalat und viele weitere Spezialitäten aus der Region. „Das ist besonders praktisch, wenn man im Sommer spontan grillen will. Dann liegt da nämlich auch immer Grillfleisch drin“, sagt Ortsvorsteher Klaus Döring.

Auf dem Spielplatz bei der Feuerwehr wird es ab kommendem Frühjahr keinen Sand mehr geben. Der soll gegen eine Wiese getauscht werden, weil das Gras durch den Sand wächst.

Quelle: HNA

Mehr zum Thema

Kommentare