"Drei Engel für Tiere" im Frühjahr bei VOX

Auftritt in VOX-Serie: Sabine Theis aus Wiera pflegt zwei Waschbären

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Ein Herz für Tiere: Sabine Theis hat Waschbär-Waise Paul als Artgenossen für ihr eigenes Findelkind Gretchen aufgenommen. Die beiden können nicht mehr ausgewildert werden.

Wiera. Große Knopfaugen, flauschiges Fell, dazu ein geringelter Schwanz und eine Art Zorromaske - das sind die beiden Waschbären Gretchen und Paul, die seit Juni das Leben von Sabine Theis  durcheinander wirbeln.

Dabei wollte die Tierheilpraktikerin die Waschbären nur aufpäppeln und wieder auswildern.

„Mein Sohn hat Gretchen völlig abgemagert und entkräftet auf der Straße herum taumeln sehen“, berichtet Theis. Aus Angst, dass das Jungtier überfahren werden könnte, habe sie es schließlich eingefangen. „Das Bärchen hat sichtlich gelitten, das konnte ich nicht mit ansehen“, erklärt die 42-Jährige.

Wildparks und Tiernothilfen konnten den Waschbär nicht aufnehmen, da sie entweder bereits voll belegt oder nicht richtig ausgestattet waren. In der Wildtiernothilfe in Heskem (Gemeinde Ebsdorfergrund) wurde die Waschbärin aber zumindest erstversorgt. Ein Zuhause fand sie im alten Spielhaus von Theis’ Söhnen, das mit Rindenmulchstreu und Kletterstämmen waschbärgerecht umgestaltet wurde.

Hintergrund 

Früher streiften Waschbären nur durch die Wälder Nordamerikas. Seit 1934 ein Bärenpärchen an den Edersee eingeschleppt wurde, breiten sich die Tiere in Deutschland aus. Aktuell leben mehr als 150.000 Waschbären im Land.

Eigentlich hausen die nachtaktiven Tiere in Wäldern in der Nähe von Gewässern. Dort erbeuten sie Fische und Frösche, fressen aber auch Vogeleier, Pilze und Nüsse. Doch Waschbären zieht es wegen der einfachen Nahrungsbeschaffung in bewohnte Gebiete. Dort hausen sie auf Dachböden oder in Kanalröhren.

Da sie keine natürlichen Feinde haben, entwickeln sie sich in Siedlungsgebieten zu einer regelrechten Plage. Zudem passen sie ihr Fortpflanzungsverhalten an: Je mehr Waschbären getötet werden, umso mehr Jungtiere kommen nach. (jap)

Bei der Versorgung des Waschbärjungen achtete die Wieraerin darauf, „so viel Zeit wie nötig, aber so wenig wie möglich“ mit dem Tier zu verbringen. Das war leichter gesagt als getan, denn als Gretchen noch die Flasche bekam, musste Theis alle zwei bis drei Stunden raus zum Füttern. Auch Streicheln war tabu. Die Waschbärin sollte schnellstmöglich in ein Gehege der Tierstation und ausgewildert werden, so die 42-Jährige.

Zweittier aus Fulda

„Um unser Bärchen an Artgenossen zu gewöhnen, bekam ich über die Nothilfe ein Zweittier aus Fulda.“ Was Theis nicht wusste: Paul war bereits handzahm. Das Wieraer Findelkind schaute sich in wenigen Tagen von Paul ab, wie toll Streicheleinheiten und die Futtersuche in Jackentaschen sein können. „Damit war klar, dass wir beide behalten müssen“, sagte Theis. An diesem Tag bekam Gretchen auch ihren Namen.

„Die beiden sind allerliebst, aber Paul rauft gern mit zweibeinigem Besuch im Gehege“, berichtet die Wieraerin. „Da bleiben auch Kratzer und Bisse nicht aus.“ Professionelle Hilfe musste also her.

Mehr im Spaß habe sie eines Abends zu ihrem Mann gesagt: „Wir brauchen Tiertrainerin Nicolle Müller, die hilft uns beim richtigen Umgang mit den Bärchen.“ Müller zeigt in der Vox-Fernsehserie "Drei Engel für Tiere" Privatpersonen den richtigen Umgang mit exotischen Tieren. Nach einer Anfrage an die Tiertrainerin wurden Theis und ihre Waschbären für die Serie ausgewählt. „Dabei wollte ich eigentlich nur ein paar Expertentipps“, sagt sie. Jetzt werden die drei sogar über mehrere Monate betreut.

Beim täglichen Training sollen die Tiere ähnlich wie Hunde lernen, auf den Tonfall der Stimme zu reagieren und einfache Kommandos zu befolgen, ohne völlig zu vermenschlichen, erklärt die Tierheilpraktikerin. Die Fortschritte von Sabine Theis, Gretchen und Paul sind voraussichtlich im Frühjahr bei Vox zu sehen.

Von Jasmin Paul

Quelle: HNA

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